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Jonathan Wilson – Dixie Blur

Jonathan Wilson - Dixie Blur

Jonathan Wilson erfindet sich und seinen soften Folkrock für Dixie Blur wieder einmal neu – diesmal als kunterbunter Cowboy im Americana, Bluegrass und Country.

Der gefragte Vintage-Produzent tut dies gewohnt kompetent und versiert, stellt schon mit dem eröffnenden Just for Love im vertraut einfühlsam aufgefahrenen Breitband-Instrumentarium (von der Lap Steel bis zur Violine) mit gehauchter Stimme und einer weichen, entspannten The War on Drugs-Gangart die Zeichen Richtung Nashville, bleibt danach aber auf seinem fünften Studioalbum (diesmal ohne Geste und mehr Arrangement-technischer Zurückhaltung) eher engagierter Darsteller, anstatt wie bisher – egal ob als Laurel Canyon-Psychedeliker oder schmalziger 80er-Crooner – in seiner aktuellen Rolle aufzugeben.
Bedeutet: Es fehlt Dixie Blur einerseits eine gewisse Authentizität, weil die Platte stets eine primär ästhetische Entscheidung an der Oberfläche bleibt, anstatt Ausdrucksmittel von Emotionsfähigkeit zu sein; andererseits ist das Songwriting auch zu beliebig, um abseits einer gewissen Gefälligkeit zu packen. Im weitesten Sinne wirken die schnelleren Stücke nämlich stets bemüht, die (deutlich besseren) getragenen können trotz einnehmender Atmosphäre hingehen auf Sicht nicht genug Spannung erzeugen.

Wenn etwa New Home bis zu seinem schwelgenden „Lalala“-Finale belanglos plätschert, das beschwingte Fidelstück So Alive durch El Camino Real praktisch wiederholt wird (wenn auch mit solierendem Party-Solo), oder das ausgelassen gemeinte In Heaven Making Love vor bebenden Herzen feiern sollte, setzt das keine Endorphine frei, sondern wirkt eher wie gut imitierte Feierlichkeiten im Genre.
Am anderen Ende des Spektrums sind Songs wie das behutsame Fun for the Masses oder das sanft angetriebene, gezupfte Platform rundum balsamierend, aber zu eindruckslos wieder vergessen. Für eine flapsiger werdende Klavierballade wie Oh Girl sollte man sich eher an Elton John wenden, notfalls auch an Father John Misty, die mit Saxofon (weniger überladen) zu Rare Birds zurückblickende Erinnerung Enemies assoziiert Bob Dylan und dass die wehmütige Nostalgie ’69 Corvette sich ziemlich dreist bei One (wenn auch aus der Springsteen-Petspektive) bedient, ist in ihrer Funktion als eine der nachhaltigsten Nummern dann irgendwo doch ein kaum schmeichelhaftes Sinnbild für die Substanz der Kompositionen an sich.

Selbst in einem an sich ambitionierten Song wie Riding The Blinds, der getragen und stimmungsvoll beginnt, dann die Zügel löst und letztendlich zu einer gewissen Heavyness zurückfindet, oder dem romantischen Korean Tea will das einfach nicht überwältigend. Jonathan Wilson hat mit Dixie Blur eben eine niemals schlechte, aber immer brave und stets harmlose 70s-Country Rock-Platte aufgenommen, die wirklich angenehm zu hören ist, aber gerade bei aktiver Aufmerksamkeit frustrierend egal bleibt – und sich über 55 Minuten zudem an die Langeweile heranpirscht.
Während man im Hintergrund konsumiert wohlwollend ruhig einen Punkt in der abschließenden Wertung addieren darf, muß sich das Material jedoch den Vorwurf gefallen lassen, dass Dixie Blur alleine deswegen so klingt, wie sie es tut, weil Wilson es problemlos derartig inszenieren konnte – nicht aber, weil er es (weder für die Leitfähigkeit der Songs an sich, noch offenbar aus eigenem Antrieb der Leidenschaft oder Kreativität heraus) tun musste. Das ist dann leider aber auch die einzige Überraschung an der Platte.

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