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Joseph Bishara – The Conjuring: The Devil Made Me Do It

Joseph Bishara - The Conjuring The Devil Made Me Do It

Der Soundtrack für The Conjuring 3: The Devil Made Me Do It ist eine weitere solide, kompetente und stimmungsvolle Score-Arbeit des Horrorfilm-erfahrenen Joseph Bishara. Mitsamt Upgrade.

Warum der dritte beziehungsweise insgesamt achte Film der Conjuring-Reihe aus musikalischer Sicht primär Interesse weckt, liegt an Kristin Hayter alias LINGUA IGNOTA, die von Bishara zur Zusammenarbeit eingeladen wurde.
It’s finally here! Honored to have my voice on the soundtrack for The Conjuring 3: The Devil Made Me Do It composed by the immensely talented Joseph Bishara. Lots of extended vox and chanting, it was the most fun.“ freute sich die 34 jährige unlängst via Twitter.
Die Präsenz von Hayter zieht sich nun flächendeckend durch The Conjuring 3: The Devil Made Me Do It, allerdings eher subversiv zwischen den Zeilen – wirklich markant erkennbar wird ihre Handschrift eigentlich nur in Altar Approached, das wie ein entfernter Fiebertraum von LINGUA IGNOTA und Scott Walker wirkt, die Stimmfarbe der klassisch ausgebildeten Multiinstrumentalistin frei gibt, bevor das Stück im kakophonischen Wronged Forces mündet.

Bis zu diesem Finale des Scores haben wir es allerdings eher mit einer weitestgehend typischen Bishara-Arbeit zu tun, die rund um atonale Tendenzen, gruselige Crescendos, skizzierten Ideen in den letzten Sekunden als Twist, und entrückte Percussion-Elemente einen ebenso traditionsbewusst funktionierenden wie unorthodox gebaut durch Hayter neue Facetten in ihren Nuancen freilegt.
Durch den Hintergrund von Wilds Of The Devil phrasiert so ein dringlich eilendes, jazzig fieberndes Schlagzeug, dessen vor sporadischen Achtel-Beckenschlägen zuckendes Spiel etwa auch in Something Happened Here, Know What You Did oder Holy Water wiederkehrend durch die beklemmende Stimmung schlängeln wird, bevor der sphärische, elegisch-sakrale Ausklang der Nummer die Evolution der Synergie im Sound von Bishara aufzeigt – und auch, dass es sich neben der imaginativ erzeugten Atmosphäre auch lohnt, auf Details in den Kompositionen zu achten.

Die vermeintliche Hoffnung des Titelstücks The Conjuring: The Devil Made Me Do It flüstert jedenfalls ein paar Beschwörungsformeln, in Possession Measured scheint etwas geisterhaft-besessenes in den finsteren Winkeln zu dräuen – beinahe wie eine minimalistische, subversive Avantgarde-Klanginstallation, die eine vage Annäherung an Maximum Black darstellt. Das nebulöse Reason You’re Here bringt diese Elemente mit grazilen Streichern zusammen. Witch Totem zeigt chorale Ahnungen und Know What You Did schrammt in sicherer Entfernung an Harsh Noise-Andeutungen vorbei. Beast Asserting setzt mit einem dunklen Piano den Ton für Morgue Visit, das wie der niemals greifbare Untergang von Jessica Curry in der Unruhe wirkt, bevor Black Candles mit seinem flimmerndem Schlagzeug sowie vibrierenden Choral-Intentionen seine Dramatik erzeugt und Occult Connectionsedativ zum Jumpscare pulsiert. Wronged Forces wandelt martialischer zwischen Himmel Hölle, während Soaring Curses delirante Bläser und erblühende Stimmwehen in schiefen Einklang beschwört.

Nach dem Conjuring-typischen Einstieg mit Devil Opening (dass das etablierte Thema als diffuse Ouvertüre im beklemmend-klaustrophobisch skizzierter Suspence variiert) gibt es zwar eine paar weniger bedrohliche Finten, die in falscher Sicherheit wiegen (etwa das melancholische Ease Into Night, als im orchestralen Umfeld badendes Piano-Stück oder das ruhig und behutsam agierende Stabilized – das sich im Gegensatz zu How We Met allerdings nicht den Schwenk verkneift, der die Wohlfühlzone sabotiert), doch der Ton des assoziativ auch ohne die Filmbilder eindringlich wirkenden Soundtracks bleibt beklemmend, effektiv.
Ist man allerdings eben primär wegen Hayter hier, kann die unterstützende Tätigkeit von LINGUA IGNOTA subjektiv freilich auch zu niederschwellig ausgefallen sein – die Zusammenarbeit  hätte gerne noch exzessiver und konsequenter ausfallen dürfen, um ein verstörenderes und eigenwilligeres Konglomerat zu erzeugen. Aber das wäre der falsche Ansatz, immerhin ist dies kein Kooperationsalbum, sondern ein für einen Hollywood Blockbuster-Horror durchwegs charismatisch gelungener Score.

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