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Joseph Huber – The Downtowner

Drei Jahre dem sich rückwirkend deutlich als Joseph Hubers Magnum Opus entwickelt habenden Moondog verschiebt der Multiinstrumentalist auf The Downtowner seine Ziele – mit ambivalentem Ausgang.

Seit 2019 hat der die Credits – bis auf flächendeckende Bass-Hilfe von Eston Bennett sowie die sporadischen Fidel- und Streicher-Beiträge von Kenn Leiser – wieder beinahe im Alleingang füllende Huber („vocals, acoustic guitar, electric guitar, harmonica, drums and percussion, banjo, mandolin, fiddle, piano and keys“) einen Schritt zurück gemacht.
Das zeigt sich schon durch die wieder ausgedünnte Spieldauer von (dem nur 42 Minuten dauernden) Soloalbum Nummer 6, aber auch im reduzierten Sound, der unspektakuläreren Produktion und Inszenierung (die Rhythmussektion bleibt stets weit hinten in Mix, beinahe dumpf, der Gesang dominiert den Vordergrund, Saiteninstrumente und einige Streicher schmücken das folkige Flair subversiv aus, traditionell und latent rebellisch), sowie dem Bestreben das Songwriting zugänglicher zu machen – gerade im Mittelteil führt das dazu, dass The Downtowner überraschend straight und ja, auch offensichtlicher agiert. Entschlacktes Anti-Understatement im Snachformat? Gewissermaßen.

Im zentral zugespitzten, runden Spannungsbogen der Platte drückt das Gaspedal jedenfalls ausgelassener an, sucht zielstrebig das Momentum. When I Was You and You Were Me stampft zum Decemberist’esken Bluesgrass herrlich ausgelassen und instinktiv den unkomplizierten Spaß am Spiel forcierend, und das fast überschwängliche Dog Days lässt ein wenig Schlagzeug-Groove keltisch tänzeln, strapaziert seinen simplen Refrain aber frappante über: nicht der einzige Song, dem man dahingehend fast die Brechstange vorwerfen darf. Denn auch das an sich famose, funky-soulig von Grateful Dead geleitete I Spoke Too Soon repetiert seinen gefälligen Chorus leider viel zu enervierend – übergibt ihn dann aber zumindest irgendwann der Hintergrund-Mannschaft und überzeugt als gelöster Jam.

Besser als diese griffige Seite steht Huber jedoch ohnedies weiterhin die ruhige, melancholische, in der er mit schwerem Herzen in sich geht – denn dort kommt seine Fähigkeiten als zeitloser Songwriter einfach deutlicher zur Geltung, zumal sie auch derart veranlagt den ständigen Zug zum Ohrwurm sucht.  The Orchards of Fear bereitet als nostalgisch im Hall aufgelöste minimalistischen Intro-Skizze romantisch – auch ein bisschen sentimental – im entschleunigten Americana aufgehend In Liberty’s Mourning vor, das sehnsüchtig unaufgeregt den weitläufigen Horizont kompakt bestaunt, hinten raus sogar den Punk-Spirit ohne Klischees in den feierlichen Sternenhimmel schickt, bevor The Spirit of Tennessee als beschwingter Country Rock mit der Pedal Steel von Ryan Knudson das flottere zweite Drittel des Albums ideal einlädt.

Am anderen Ende des Rahmens findet der natürliche Entwicklungsfluss zu The Heavyweight, einem minimalistischen Kleinod am Lagerfeuer mit Mundharmonika, Schwermut und Springsteen als Leitsterne, und Thankful, das mit Gitarre und Streicher wie eine verblasste Sepia-Erinnerung aus vergangenen Zeiten traurig und nölend leiernd schwoft. Spätestens wenn Will You Still Know? gemütlich schippernd mit ein bisschen Bar-Feeling wehmütig sinniert, dann scheint es zwar auch bestätigt, dass Hubert seine langsamen Kompositionen diesmal phasenweise weniger gut zum Punkt bringt, während er einige Dinge gleichzeitig zu plakativ zum eingängigen Augenblick manövrieren will.

Vieles hier passiert schlichtweg zu einfach auf dem Silbertablett serviert, während kein Song diesmal als heimlicher Grower (wie etwas das die Erwartungshaltung womöglich zu hoch gesetzt habende Aeolian Wind zuletzt) die lange Atemluft und Geduld verlangt. Im Umkehrschluss ist die Substanz aber hochwertig genug, um dennoch eine Halbwertszeit zu entwickeln, die nachhaltiger ist, als es auf den ersten Blick scheint: das emotional breitgefächerte The Downtowner ist ein tolles Unterhaltungsalbum mit dem nötigen Tiefgang und frustriert höchstens deswegen, weil der Funke Magie stets in Griffweite zu sein scheint, ohne wirklich jemals erreicht zu werden.

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