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Keane – Dirt

Keane - Dirt

Ausschussware vom 2019er-Album Cause and Effect ist wohl nichts, wonach es selbst den loyalsten Keane-Anhänger um jeden Preis verlangt – es ist aber genau das, wofür der Record Store Day in Form der Dirt EP gut ist.

Was man dem Kurzformat zu Gute halten muss ist zum ersten, dass Dirt im Gegensatz zu der alte Taten zum x-ten Mal aufwärmenden Trio-Serie Retroactive aus dem Vorjahr zumindest versucht einen gewissen Mehrwert durch Exklusivität zu lukrieren, indem dem Fan mehr oder minder neues Material (also zwei Songs, die es nicht auf das fünfte – hier leicht überbewertete -Studioalbum schafften und zwei weitere in unfertigen Demoversionen) serviert wird; und zum zweiten, dass der Abschluss November Day dann doch eine schöne, durchaus einfühlsame und intime kleine Ballade geworden ist, die ihre Melancholie am Klavier ausbreitet. Ganz egal, dass sie praktisch unmittelbar wieder vergessen ist – sie ist das überzeugendste Stück der Dirt EP.

Die restlichen Stücke bestätigen zwar auch, dass Tom Chaplin, Tim Rice-Oxley und Co. keine wirklich über den Standard hinausragenden Stücke mehr schreiben, unterstreichen diese Tatsache allerdings auch mit einem latenten Geschmacksverlust, der die 16 Minuten der Platte zusätzlich verleiden kann.
Der Titeltrack hätte beispielsweise eine nette, wenngleich auch kitschige Melodie parat, nur leider wird die Single als zutiefst austauschbar produzierter, banaler Plastik-Formatradio-Pop inszeniert, dessen beschwörende Ader ein soulig-gospeliges Flair haben soll, aber vor allem scheußlich anbiedernd wird, weil der Hochglanz die substanzarmut übertünchen soll. Nicht ganz so schlimm, weil halt auch nicht voll ausformuliert, ist Burning the Days: eine nette Poprock-Nummer mit 80er Charme, bis der Refrain ein bisschen zu sehr die pathetische „Ohohohooo“-Stadion-Tauglichkeit forciert.

Und Nothing to Something beginnt beinahe abgedämpft und subversiv treibend, reichert astrale Texturen über der verträumten Club-Atmosphäre an, bevor der Song Konturen bekommt und sich vom physischen Schlagzeug nach vorne schieben lässt. Als würden Coldplay versuchen einen Joshua Tree-Song zu kreieren, der sich zwar aber sphärische Aura und sympathische Ausstrahlung behält, aber sehr eindimensional gestrickt stromlinienförmig vergeht, wäre das zu den Heydays von Keane bestenfalls eine C-Seite gewesen. Dass es nun quasi eine B-Seite ist, ist exemplarisch für den längst mit dem mediokren Mittelmaß ringenden Allgemeinzustand der Band.

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