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King Dude – Full Virgo Moon

King Dude - Full Virgo Moon

Van Records preist das siebte King Dude-Album als Werk eines Enigmatikers an, der mit einem knappen Dutzend an Hymnen „the power to weaponize music“ zeigt und „his voice into the most dangerous one of our times“ transformiert. Tatsächlich ist Full Virgo Moon aber nur ein sehr okayes Singer-Songwriter/ Dark Folk geworden.

Eines, das in nur zwei Wochen im Andenken an jene Frühphase von TJ Cowgill entstanden ist, als dieser seine Gothic-affinen Mitternachtsmessen noch nicht mit voller Band im Rücken in mehrere Genres schicken konnte.
Mag Full Virgo Moon also auch mit der ätherischen Instrumental-Synth-Landschaft Intro (A Shadow’s Theme) in den 80ern beginnen und sich an This Mortal Coil anlehnen, dominiert der King Dude den Verlauf der Platte alleine mit Stimme und Gitarre. Im akustischen My Rose by the Sea (Satyr Boy) vibriert er etwa traurig am Lagerfeuer, noch eher nahe der morbiden Romantik von Dead Man’s Bones, einfach gestrickt und melodiös. Schon hier repetiert der Refrain zu oft, doch erst wenn die Spielzeit über die 4 Minuten-Marke klettert, zieht sich das wie im eindruckslosen Titelsong schier ermüdend.

In dieser grundlegenden Verortung gibt es einige Momente, die stimmig funktionieren – gerade wenn King Dude Richtung Orville Peck schielt und Forty Fives Say Six Six Six im nostalgischen Country-Nebel treiben, oder Something About You im Reverb durch eine ätherische Erinnerung an Twin Peaks lethargisch schwelgen lässt.
In der Bagatelle The Satanic Temple klingt er dagegen wie ein altbackener Satanist ohne jeden Esprit, das flott schrammelnde Make Me Blind ist so deplatziert positioniert wie uninspiriert. Besser ist da A Funeral Song for Atheists, das die selbe Melodie auf das Klavier übersetzt, trotz des bemüht fragilen Gesang bezaubernder anzieht und anregt, dass das Melodieverständnis der Platte nur falsch in Szene gesetzt wurde.
Alleine ein erweitertes Instrumentarium wäre aber nicht Allheilmittel, wie Forgive My Sins zeigt, indem King Dude hier ein schweres Piano samt Streichern auffährt, dass mit klischeehaften Lyrics im Schatten von Show und vom einnehmenden Ansatz zum enervierenden Blender dahinsiecht: Full Moon Virgo mag angenehm (und sogar relativ hell intoniert) nebenbei konsumierbar plätschern, lässt aber weitestgehend jede relevante Tiefenwirkung in seiner seichten Substanz vermissen. Da ist nichts so gefährlich, als dass es eines Waffenscheins bedürfte.

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