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King Krule – You Heat Me Up, You Cool Me Down

King Krule - You Heat Me Up, You Cool Me Down

Kurz vor der ersten Lockdown-Starre 2020 hat King Krule Archy Marshall noch eine Handvoll Konzerter in Europa gespielt. Teile der beiden Paris-Shows erscheinen nun als das Livesalbum You Heat Me Up, You Cool Me Down.

Blickt man auf die Setlisten des ersten und zweiten Auftritts in Frankreich, kann man sich freilich darüber grämen, dass der eine oder andere damals gespielte Song (der das Gefühl einer potentiellen Best of-Sause noch konzentriert hätte) für den nun aufgelegten Mitschnitt aus dem Raster gefallen ist.
Abseits dieses kleinen subjektiven Schönheitsfehlers bietet You Heat Me Up, You Cool Me Down allerdings praktisch nur Grund zur Freude im Fanherzen: Dass immer noch 73 Minuten lange Album wandert entlang zahlreicher Highlights von 6 Feet Beneath The Moon (2013), The Ooz (2017) und Man Alive! (2020) kohärent durch alle Studioalben des Briten, dazu gesellt sich mit Rock Bottom ein theoretischer Nebenschauplatz und Hit, der hier mit besonders viel Elan einen besonders funky schimmernden Drive zeigt, herrlich hibbelig aufgedreht jedoch nach und nach den nahtlosen Fluss zum smoothen Ausklang findet.

Die Art und Weise, die Marshall mit einer Band im Rücken seine Melange aus psychedelischem Art Rock und jazzigen Post Punk von den regulären Studio-Tonträgern auf die Bühne übersetzt und im Grunde auch neu interpretiert, ist dann aber sowieso ein mit überraschenden Akzenten nicht geizendes Potpourri.
Wo The Ooz von seinem markanten Bass als wunderbare Ballade aus dem sedativen Weltraum geholt wird, agiert nicht nur Emergency Blimp zügiger. Cellular bekommt durch seine Mitmusiker eine ganz neue Griffigkeit, mehr Biss und Konturen, ohne an trippigem Flair zu verlieren. Auch A Slide In (New Drugs) zeigt nun eine neue , wo gerade das Ooz-Material generell merklich wächst. Stoned Again ist ruppiger und rumpelnder durch das tighte Spiel der Musiker, gleichzeitig aber auch schiefer. Comet Face zeigt seine Dringlichkeit mit subtil dissonanter Ader samt gebrülltem Call-and-Response-Abgang, Half Man Half Shark zieht mit dem eröffnenden Mantra die Spannungen an und löst sie im regelrecht aggressiven Tanz. Klasse!

Auch die Momente der Einkehr überzeugen, die Dynamik hat in ihnen nämlich etwas unterkühlt-fiebriges, eiliges und entspannt abgehangenes. Perfecto Miserable gönnt sich das Ambiente einer Shoegaze-Patina in kompletter Trance samt Ausbruch, Alone, Omen 3 feuert sich selbst im Wachkoma an. Die Bandvorstellung Baby Blue folgt einem anmutig kantigen, anschmiegsamen Traum und das verschlafen-entrückte Slush Puppy wirkt nun wie eine verrückt aus dem Leim gehende Lounge-Ballade der Beatles aus der Deerhunter-Perspektive, etwas unausgegoren vielleicht.
Von neben der Spur zerfahrenen Punktlandungen wie Underclass an der Leine gehalten gibt es im räumlichen, weder zu sauberen noch dicken Sound, nur wenige mäandernde Phasen, bevor die Zugabe Easy Easy ein euphorisierender Schlusspunkt ist, der kaum Wünsche offen lässt. Außer eben King Krule bald mal wieder in Person auf Tour erleben zu können.

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