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Kirk Hammett – Portals

Kirk Hammett - Portals

Unglaublich, aber wahr: Leadgitarrist Kirk Hammett hat zum Record Store Day 2022 erfolgreich die Erlaubnis eingeholt, um mit der EP Portals ein eigenes Projekt neben Metallica in Angriff nehmen zu dürfen.

Der bald 60 jährige sorgt damit für eine Premiere im Bandkosmos, klärt aber im Grunde über 27 Minuten schon auch darüber auf, weswegen die Chefetage um Hetfield und Ulrich das Material wohl nicht für ihre Metal-Gelddruckmaschine zugelassen hat: der immer schon kooperationsoffene Hammett spielt seinen rein instrumental dargebotenen Metal auf Portals mit der Unterstützung einiger Freunde und Erfüllungsgehilfen – etwa Bob Rock, Greg Fidelman, Abraham Laboriel, dem LA Philharmonic Orchestra oder Ausnahmedrummer Jon Theodore) sinfonisch verstärkt mit klar ausgeprägten Soundtrack-Ambitionen und zwanglosem Jam-Charakter strukturell weit hinein in progressive Gefilde.
Trotzdem bleibt die Fallhöhe überschaubar: Die Chance, damit Anhänger des Mutterschiffs zu verstören, ist relativ gering, während die Wahrscheinlichkeit für wohlwollende Anerkennung (auch angesichts des seelenlos ohne Ambitionen auskommenden Status Quos des Brötchengebers) durchwegs hoch liegt.

Das auf 2017 zurückdatierende – und wie alle Stücke mit Biographie daherkommendeMaiden and the Monster eröffnet den Reigen dafür fast nostalgisch perlend in die 80er, gezupft heulend, kippt irgendwann etwas düsterer, und gönnt sich erst noch zaghaft ein paar Streicher-Schraffuren, auch wenn Hammett über weite Strecken alleine mit seiner Gitarre über das Feld wandert. Nach knapp der Hälfte der Spielzeit beginnen Drums in rein begleitender Funktion zu pulsieren, liebäugeln mit einer gothischen Grandezza – nur leider wirkt das Klangbild dabei frustrierend dünn und nicht so opulent, wie es sein müsste, um wirklich monumental zu beeindrucken.
Zudem ist in dem zwanglosen Geplänkel gefühlt jedes Element gleich laut gemischt, es will keine zwingende Dynamik entstehen, was vor allem am Ende der Nummer schade ist: Hammett schwingt sich auf und legt sich hardrockend in die Kurve solierend – wie eine breitbeinige Version von The Mars Voltas Cassandra Gemini – nur bleibt die auf dem Papier packen sollende Abfahrt in  der Realität seltsam teilnahmslos, wie eine unausgewogene Demo der potentiellen Möglichkeiten.

Durchaus exemplarisch. Im übernehmenden The Jinn begleiteten Cello und Fidel das näher an der Metallica’esken Komfortzone mäandernde Potpourri, bevor High Plains Drifter als erstes der beiden mit S&M2-Komponist Edwin Outwater erdachten Stücke inhaltlich einen Clusterfuck darstellt, mit seinen Tendenzen zum Morricone-Score aber überzeugt. Das theatralischer verspielte The Incantation gelingt sogar noch besser, weil Hammett sich weit zurücknimmt und den Metallica-Baukasten-Arrangements den nötigen Raum lässt, um sich expressionistisch zu entfalten – bis der Gitarrist das Wah-Wah-Pedal auspackt und die feine Synergie mit der Umgebung forciert, sogar in die orientalische Psychedelik abdriftet, und am Ende noch einmal alle Kräfte für einen erlösenden Klimax bündelt.
Ein paar kreative Reibungspunkte scheinen Hammett also gut zu tun, wenn er endlich ein Ventil hat, um seine eigenen kreativen Ambitionen abseits der zweiten Reihe bei Metallica ausleben zu können. Trotz offenkundiger Schwächen ist es insofern durchaus interessant, wohin künftige Wege Hammett nach dem vielversprechenden Portals auf Solopfaden führen werden – denn dass seine Ambitionen tatsächlich Auswirkungen auf Metallica selbst haben könnten, ist selbst nach dieser Quasi-Talentprobe ja leider eher nicht zu erwarten.

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