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Kovacs – Cheap Smell

Kovacs - Cheap Smell

Am Ende der Tour zu ihrem 2015-er Debüt Shades of Black verkrachte sich Sharon Kovacs mit ihrem angestammten Produzenten. Schon praktisch, dass die Niederländerin ihre austauschbaren musikalischen Charakterzüge mit einer immanenten Beliebigkeit an neue Umstände anpassen kann.

Was das seit jeder dem Zeitgeist und modischen Trends hinterherhechelnden Wesen ihrer Musik angeht, ist die 28 Jährige gewissermaßen zuverlässige Opportunistin: Man kreiert, was sich verkaufen könnte – eine überdurchschnittlich souveräne Stimme ist ja vorhanden, aber ihr Songwriting konnte inhaltlich noch nie dem anvisierten Image des „raw and dark (…) soulful pop noir repertoire“ gerecht werden.
Dennoch stand Kovacs laut eigener Aussage vor einem Scherbenhaufen, als zuerst die Zusammenarbeit mit ihrem Haus und Hof-Betreuer Oscar Holleman zugrunde ging und sich ihre eigene Band dann auch noch entschied, lieber bei dem brechenden Produzenten, als bei ihr zu bleiben: „Das war ziemlich hart. Ich dachte, ich hätte meine Familie gefunden, aber so war es nicht. Ich brauchte ein bisschen, um darüber hinweg zu kommen.

Von dieser emotional aufwühlenden Intensität hört man Cheap Smell entgegen entsprechender Vorankündigungen nichts an. Auch die prolongierte Forcierung einer persönlicheren, weniger an die Vorstellung des Produzenten angepasste Ausrichtung bleibt aus. Viel eher hat Kovacs sich ästhetisch den bisherigen Arbeitsplattformen von Liam HoweLana Del Rey, Marina And The Diamonds oder FKA Twigs – angebiedert, dabei gewissermaßen die generische Egalität von Shades of Black konserviert und in die neuen Soundgegebenheiten übersetzt. Cheap Smell versucht gewissermaßen das Erfolgsrezept von Adele zu adaptieren, lässt theatralischen Bond-Pop von smarten Beats, wehenden Arrangements und orchestralen Parts begleiten, makellos und glatt reihen sich Versatzstücke aus Flamenco, Soul und R&B vorbei, Ahnungen von Caro Emeral gar – doch scheitert Kovacs hinter viel bemühtem Hochglanz ohne Authentizität.

Was an der Oberfläche gefällig funktioniert, lässt dahinter schließlich viele Probleme erkennen. Die überschaubare Persönlichkeit der nur optisch extravaganten Kovacs geht in einem Meer aus Kalkül unter (Textpassagen wie „He’s a dick, he’s a dick, he’s addicted“ bleiben zahnlos und ohne Pointe, gerade vor dem an sich schockieren sollenden Drogenhintergrund der Nummer), angepasst und austauschbar.
Eindimensional auf den Markt maßgeschneidert und ungeniert dem Klientel nach dem Maul spielend imitiert Cheap Smell im Auftreten einen potenten Blockbuster, hat jedoch nur die kompositorische Substanz für drittklassige Überhöhungen in prominenteren Fahrwassern, Marke Song Contest. So gehen einzelne Passagen während des Hörens durchaus im Ohr, doch bleibt primär der Gestus der Platte hängen, kaum nachhaltige Szenen an sich, nur wenige prägnante Melodien oder zwingende Hooks. Tun sie dies doch, dann geschieht es alleine durch die unheimlich Penetranz, mit der manche Passagen wiederholt werden. Das alles wäre dann eben für die nicht unadäquat bediente Zielgruppe wohl kaum der (negativen) Rede wert, lässt sich aber wohl selbst für diese abseits der Singles über die viel zu lange Spielzeit von Cheap Smell nur schwer aushalten.

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