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Lambchop – This (Is What I Wanted to Tell You)

Lambchop - This (Is What I Wanted to Tell You)

Mag sich Kurt Wagner auf dem Artwork zu This (Is What I Wanted to Tell You) ohne seine Trademark-Mütze auch so nackt wie nie zuvor geben, verzichtet er abermals nicht darauf, seine Stimme mit dem Vocoder zuzukleistern. Und wieder funktioniert das besser, als das Puristen wahr haben wollen.

Nur einmal lichtet Wagner den Effekt: Der überragende (Beinahe)-Titelsong This Is What I Wanted to Tell You gibt auf dem nunmehr wohl zwölften Lambchop-Album allerdings nicht den Blick auf rundum klassische Lambchop-Musik frei, sondern ist eher eine Vision davon wider, was sich Scott Walker wohl auf Tindersticks-Valium in einer Darkjazz-Spacestation angehört hätte, bevor die Nummer über weite Strecken instrumental träumend und subversiv pluckernd abdriftet.
Ein grandioser, aber auch durchaus irritierender Moment. Immerhin verdeutlicht er, dass der Vocoder als prägendes Instrument keineswegs unbedingt elementar für das aktuelle Songwriting von Wagner ist – das überbordende Bon Iver-Autotuning aber sehr wohl essentiell für die Stimmung und Atmosphäre einer Band ist, die sich nach ihrer teilweisen Neuerfindung in der Indietronic und dem elegantn Sophisti-Pop ihrer allzu gemütlichen Vorhersehbarkeit entledigt hat. Zudem fällt auf, dass man Wagners unbearbeitete Samtstimme wider Erwarten gar nicht unbedingt dermaßen vermisst, wie man das angenommen hat. Im Gegensatz zu seiner Gattin (was man so hört) kann man mit den Lambchop dieser Periode längst verdammt gut leben.

Dennoch fühlt sich This (Is What I Wanted to Tell You) im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger doch auch ein wenig wie ein relativierendes Zurückrudern an. Die acht Songs sind näher dran an der Annäherung und Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit, müssen sich damit auch den Vorwurf gefallen lassen, nicht die fordernde Konsequenz und erschöpfende Unbedingkeit wie die Vertreter des doch um das Quäntchen besseren FLOTUS an den Tag zu legen.
Wo die Kluft zwischen Ausnahmenummern und starken Füllern aber auch ausgeglichener als noch vor drei Jahren, wird der Standard allgemein hoch gehalten, wären gerade nach der DJ Koze– Zusammenarbeit auf Muddy Funster ein paar mutige neue Impulse doch sehr fein gewesen. So sorgt Everything For You im Gunde für die meiste Spannung in einer angenehmen Gemütlichkeit ohne jede Kontroverse, wenn der Beat enger gezogen wird, Loops arbeiten und plötzlich eine schmissige Zeitlupen-Tanzbarkeit durch die Lounge weht. Drumherum macht This (Is What I Wanted to Tell You dann aber genau genommen auch kaum etwas falsch, höchstens noch selbstverständlicher.

Von The New isn’t so You Anymore (das seinen typisch smoothen Easy Listening-Softrock-Americana eben elektronisch unterspült, keinen Unterschied zwischen Drum-Maschine und Besenschlagzeug sieht und später noch nostalgisch mit Mundharmonika durch den 80er Fernsehgarten tingelt) bis zu Flower (das den Bogen ästhetisch anmutig zum Opener knüpft, eher als Epilog funktionierend übrigens die einzige Nummer ohne „you“ im Titel ist) spannen Lambchop hier ihre neue, ureigene und komfortable Wohlfühlzone mit einnehmend melodiöser Tiefenwirkung. Vielleicht mehr noch als Flotus gelingt es This (Is What I Wanted to Tell You) als wohl größte Leistung, das Zeitgeistvehikel Autotune ohne emotionale Distanz in einen zeitlosen, tröstenden Kontext zu setzen.

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