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Låpsley – Through Water

Die EP These Elements war vor wenigen Monaten in seinen besseren Momenten durchaus ein adäquater Indikator dafür, was Låpsley nach längerer Auszeit auf ihrem zweiten Studioalbum Through Water vorschwebt.

Die Hinwendung der 23 Jährigen zu einer elektronischeren Ausrichtung mag an sich keine revolutionären Schritt darstellen, es gibt von James Blake bis Chvrches immerhin zahlreiche ähnlich geartete Kolleginnen und Kollegen, die ihren Pop über die Indietronic hinaus programmieren.
Im Kontext nach dem guten, aber heute auch in der Austauschbarkeit vergessenen Long Way Home bedeutet die Entwicklung für Låpsley selbst jedoch ein durchaus interessanteres Sounddesign, in dem die Musikerin mit Verfremdungen und Effekten spielt, sich phasenweise wie eine niedliche Version von The Knife Duette mit sich selbst liefert.
Das Ergebnis ist dann vielleicht eben nicht sonderlich originär, aber in Summe angenehm zu hören, und bietet neben einigen beinahe interessanten Ansätzen durch Låpsleys Können als Songwriterin und Sängerin immer wieder schöne Momente.

Der Titelsong gibt mit geduldigem Beat über Pianoakkorden als zerschnipselte Anmut den ästhetischen Pfad vor, auf dem die bereits bekannten Nummern My Love Was Like the Rain und Ligne 3 nun besser zur Geltung kommen. First schnipst subkutan und deutet mit seinem Dancehall-Rhythmus den Ohrwurm an, lässt sich dann aber doch daran vorbeigleiten, während das betörende Our Love is a Garden sich deutlicher als wunderbares 80er-Kleinod offenbart. Das Interlude Leeds Liverpool Canal gibt sich verschwurbelt wie Múm, will aber nirgendwohin, und das weniger gelungene Sadness is a Shade of Blue entwickelt sich aus dem vagen Kontrast von beseelten Arrangements und modernen R&B-Vorlieben zu einem inkonsequenten Flirt mit dem Club.

Feiner, aber gar nicht so weit entfernt, agiert das gelöst nach vorne gehende Womxn, das sich sommerlich-unbeschwert auf ihrer Yacht names Theodore entspannt, bevor Bonfire das Finale vorbereitet, indem es seine entschleunigte Grazie mit viel Raum und Zeit aufbaut, wobei Speaking of the End als natürlich belassene Klavierballade danach gefällig einnimmt, als Vergänglichkeit aber kein relevantes Gewicht entwickelt – und damit durchaus symptomatisch für den Wirkungsradius von Through Water im Gesamten ist.

Die kompakten, vielleicht auch eine Spur zu wenig erschöpfend angelegten 34 Minuten der Platte sind immerhin weniger emotionaler Tauchgang, als vielmehr die angenehme Brise im Sonnenuntergang an der Oberfläche, die kaum unter die ohne Reibung arbeitende Oberfläche des Wasserspiegel tritt.
Låpsley lässt hinter ihrem Gespür für sanfte Melodien und elegische Hooks Vorzüge ins Leere laufen, findet so gut wie nie zum Punkt, und lässt viel Potenzial verpuffen – weniger frustrierend, als mit einer gewissen Egalität. Dennoch: Darauf lässt sich deutlich vielversprechender aufbauen, als man es erwartet hätte.

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