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LINGUA IGNOTA – EPISTOLARY GRIEVING FOR JIMMY SWAGGART

LINGUA IGNOTA - EPISTOLARY GRIEVING FOR JIMMY SWAGGART

Von Alf bis Zappa hat das Leben und Wirken des skandalträchtigen TV-Prediger-Millionärs bereits unzählige Reflektionen in der Populärkultur bedingt, nun als auch LINGUA IGNOTA mit EPISTOLARY GRIEVING FOR JIMMY SWAGGART.

4 VIDEOS WITH ACCOMPANYING TEXT AND TRACKS DEDICATED TO BROTHER JIMMY SWAGGART. I STARTED WRITING LETTERS TO JIMMY IN OCTOBER 2021 AS A WAY TO PROCESS TRAUMA, ELIMINATE SELF DOUBT, AND AUGMENT THE CIPHERS AND THEMES OF SINNER GET READY. THIS IS INTENTIONALLY NOT ABOUT MUSIC, IT IS ABOUT LANGUAGE AND IMAGE, AND HOW MEANING SHIFTS BETWEEN MEDIUMS, WHO IS SPEAKING AND WHO IS BEING SPOKEN TO. WRITTEN RECORDED AND EDITED BY ME. ALL VIDEO SHOT AND EDITED BY ME.“ fügt Kristin Hayter dem siebenminütigem Kurzformat bei, lässt aber offen, ob sie mit besagten Traumata auch die mittlerweile beendete Beziehung zu Alexis Marshall meint – wie es jüngste Offenbarungen jedoch zumindest nahelegen.

(Der entgegen des andersartige Vermutungen streuenden Titels freilich noch lebende) Swaggart ist in Hayters Kosmos nach The Sacred Linament of Judgement kein Fremder mehr, auf EPISTOLARY GRIEVING FOR JIMMY SWAGGART richtet sie sich nun aber direkt an den TV-Gottesmann. „Dear Jimmy, my mouth is full of blood. Jimmy, when you spoke of Hell, did you mean this place? Did you mean me?“.
Hayter spricht abgekämpft und gedämpft, untröstlich und beinahe flüsternd. Dazu begleiten sie im Hintergrund vogelzwitschernde Field Recording und in bedrohlichen Zeitlupen-Schüben streichelnde Harmonika-Welle, seltsam zart und klaustrophobisch. Überhaupt ist die Stimmung und Atmosphäre der minimalistisch gehaltenen Spoken Word-Rezitationen absolut beklemmend, wie in einem vom Suspence lebenden Horrorfilm, von ruhiger Unruhe beseelt. Nach der gesampelten Predigt in NO. 3 // HELL ist es deswegen regelrecht bestürzend, wenn Hayter in Lethargie sinniert: „Hell is no joke. Hell is no joke.“ – und das wie eine subversive Drohung klingt.

Während man sich also mittlerweile schon fragen kann, wie viel Musik mittlerweile alleine für den Bandcamp Friday kreiert wurde, die sonst (im guten wie im schlechten) nie das Licht der Öffentlichkeit gefunden hätte, bleibt LINGUA IGNOTA trotz einiger Ausnahmen weiterhin auf der sicheren Seite: das verloren anmutende, sich desorientiert über eine eigentlich zu knapp bemessene Spieldauer (um seine Intention nicht nur zu skizzieren, sondern wirklich auszuschöpfen) ausgestattete EPISTOLARY GRIEVING FOR JIMMY SWAGGART mag nicht restlos essentiell sein, mit einem faszinierenden Mehrwert aber einen weiteren willkommenen Trabanten zu SINNER GET READY darstellen.

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