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LINGUA IGNOTA – KIM

LINGUA IGNOTA - KIM

Lange schon war Eminems KIM sporadischer Teil des Liveprogramms von LINGUA IGNOTA, nun (rechtzetig zum Bandcamp Friday des Monats Oktober) hat Kristin Hayter auch die Zeit für eine Studioaufnahme gefunden.

Die aktuelle Lebensgefährtin von Alexis Marshall scheint ein Faible für Songs zu haben, die zerrüttete Beziehungen behandeln – zumindest legt dies ein Blick auf die jüngeren Coversongs nahe, die sie im Rahmen des allmonatlichen Bandcamp-Feiertages veröffentlicht hat.
Nach Wicked Game und (dem an sich schon älteren) Jolene steht nun die 20 Jahre alte, inhaltlich tödlich endende Konfrontation von Marshall Mathers und seiner damaligen Gattin Kim an – und fühlt sich gewissermaßen wie das emotional ausbalanciertere Gegenstück zur vorangegangenen Dolly Parton-Nummer in ihrem psychotischen Wahn an.

Stellar-elektroakustisch knistert hier ein kontrollierter, modulierter Drone, flächig und bedächtig. LINGUA IGNOTA dirigiert diesen zweimal bis nahe an den völligen den Stillstand, taucht das pastoral entschleunigte Flehen jedoch wieder an, und addiert dabei kristallin und erhebend in der Distortion schabende Texturen, bis das Ende ein geradezu weiches, halluzinogenes Ambientmeer im maschinellen feingliedrigen Sticheln ausbrütet. Hayter pflegt eine Fürsorglichkeit im theatralischen Phrasieren, einen barmherzige Zwischenton ohne jedes kotzende Gebrüll, eine verletzlich-anmutige Traurigkeit im Industrial-Fieber.
In jedem Fall hat sich LINGUA IGNOTA den ursprünglichen Hip Hop-Track vollends einverleibt, ohne das Niveau ihrer eigenen besten Nummern zu erreichen, interpretiert KIM wie eine Geburt, keine Adoption – ein Assimilierungsprozess also, der aufgrund der Distanz zum Original hier noch deutlicher auffällt.

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