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Lorna Shore – …And I Return To Nothingness

Lorna Shore - ...And I Return To Nothingness

Massiver Deathcore mit symphonischem Power Metal und Blackened-Bombast – brutal grobschlächtig, aber technisch versiert und immer episch over the top: Lorna Shore machen mit …And I Return to Nothingness abermals personell verändert weiter.

Ein Jahr nach dem über Szenegrenzen (und Quasi-Wiegedood-Cover) hinaus für ein gewisses Maß an Furor sorgenden Drittwerk Immortal (und dem seit damals wohl notwendigen abermaligen Wechsel am Mikrofon von CJ McCreery zu Will Ramos) will sich die Band aus New Jersey ganz offensichtlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und ringt sich als Trotzreaktion einen expliziten Kraftakt ab: Ein Sound, der eigentlich ohnedies bereits so unbedingt über allen Geschmacksgrenzen an der Megalomanie kratzt, als hätten Konsorten wie Winds of Plague, Kardashev, Fallujah oder Chelsea Grin sich die Frühphase von Job for a Cowboy mit schwedischem Melodeath, Powerwolf-Alben und allgegenwärtiger orchestraler Opulenz aufgewogen, wird noch einmal an Konsequenz intensiviert.

Was das bedeutet, lässt sich ideal auf den letzten Metern des Openers To the Hellfire nachvollziehen. Nachdem das Akustik-Intro schnell zugunsten einer rasend fauchenden, irre tackernden und fett die Slam-Breakdowns provozierenden Gangart (in der einmal mehr erstaunlich eingängigen, aber nun weniger forcierten) Struktur an der Grenze zum mit cheesy Kitsch agierenden epischen Streichern eingetauscht wurde, die wirklich grandios variable Stimme von Ramos ansatzlos zwischen beschwörendem Grunzen, gemeinen Skandieren und würgender Magengrubengewalt wechselt, Chöre und cinematographische Streicher längst über alle Ziele hinausgeschossen sind, ja dann scheint der Spannungsbogen irgendwann sein Ende erreicht zu haben – doch plötzlich packen Lorna Shore noch einen Appendix aus, schießen ein Solo nach, der Gesang schnarcht ein und kotzt rotzig aus, grandios überdreht entmenschlicht, ein weiterer Klimax ist erschöpfend, aber nicht übersättigend drinnen.

Diese Band will stets mehr und verpackt dies in einem doch untypisch runden Songwriting, nochmal über dem (doch zu formelhaf auf Breakdowns) Niveau von Immortal – zudem auf EP-Länge auch einfach besser dosiert, weil effektiver akzentuiert. In Of The Abyss rasen die herrlich überkandidelte Arrangements deswegen auch wie selbstverständlich über den Punkt der Persiflage mit heroischer Miene zum überlebensgroßen Rollenspiel-Kampf hinweg, bevor die besonders eilige Brutalität des Titelstücks im Kontrast mit fast billigen Ausschmückungen triumphiert.
Und dennoch: Selbst wenn man grundlegend absolut nichts mit der stilistischen Ausrichtung von Gruppen wie Lorna Shore anfangen kann, entwickelt …And I Return to Nothingness so einen absurden Reiz, der faszinieren und mehr noch unterhalten kann. Dazu kann man sich schonmal eine Lewandowski-Artwork gönnen, die vielerorts als „roh“ gepriesene (aber eigentlich vor allem alle Instrumente abseits der unbedingt im Rampenlicht stehen sollenden Drums hinunterdrehenden) Produktion des Kurzformates als zweckmäßig goutieren und ignorieren, dass die Platte keine erfüllendere dynamische Reichweite spendiert bekommen hat: Zumindest die orchestralen Parts kleben dann doch zu komprimiert auf der sauber den Punch forcierenden Gesamtmelange dieser Machtdemonstration.

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