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Machine Gun Kelly – Mainstream Sellout

Machine Gun Kelly - Mainstream Sellout

Mainstream Sellout: Der längst als Synonym für das zappelnd-energiegeladene Schlagzeuspiel (und bisweilen auch den zeitgenössischen Sound) des Genres stehende Travis Barker hat eine zweite Platte mit Machine Gun Kelly, der menschgewordenen Persiflage des Poppunk, aufgenommen.

Weil der Einstieg über Boy with Horns und dem Blink-182esken Cut-and-Paste-Stück God Save Me doch ziemlich kompetent und effektiv ausfällt, tarnt sich Mainstream Sellout zunächst schon relativ gekonnt als dezente Aufwärtstendenz nach dem geschmacklosen Tickets to my Downfall. Spätestens mit dem auf Autopiloten laufenden Bring Me the Horizon-Gastspiel Maybe und der gesichtslosen Lil Wayne-Banalität Drug Dealer scheint Colson Bakers zweites Album nach seiner Rapkarriere sogar wirklich vage jenes Niveau anzuvisieren, auf dem Travis Barker seit Jahren ein an den 00er-Jahren seiner Stammband genormtes, weitestgehend austauschbares Fließband des Formatradio-Poppunk errichtet hat.

Mit Fortdauer revidiert der vielrespektierte Protagonist der Platte diese trugschließende Einschätzung aber konsequent und sabotiert, was substantiell schon eine halbwegs solide Durchschnitts-Genreplatte entlang zahlreicher generischer 08/15-Nummern sein hätte können, die ihre Essenz als uninspiriert-recycelter Baukasten-Schrott nach einer tausendmal gehörten Formel so aufwärmt, dass die juvenile Kundschaft das als flott, unterhaltsam und spaßig gouttieren sollte: Machine Gun Kellys immer wieder erstaunlich nervtötende Präsenz malträtiert durch eine bedeutungsschwer nach unten verfremdete Stimme ohne jedes Gesangstalent nahe des aufdringlichen Ohrenkrebs, raubt der plastikhaften Ausstrahlung einer am Reißbrett konstruierten Penetranz mit rein marktwirtschaftlichen Interessen aber vor allem durch die eigentlich beispiellos grotesk-beschämenden Texten eines 31 jährigen Mannes in pubertärer Regression jegliche Wertigkeit.

Kurzum: Das niemals auch nur ansatzweise authentische, nicht einmal abseits der Musik Spannungen kreieren könnende Mainstream Sellout lässt schlichtweg keinerlei Seele zu und positioniert sich in ständiger Pseudo-Underdog-Opferrolle als unpackbar mediokres Poser-Pastische.
Am schlimmsten ist jedoch, dass in der Stafette aus vermeintlichen Ohrwürmern, deren praktisch nicht existente Halbwertszeit unmittelbar auf Durchzug schalten lässt, letztendlich nur unpackbar unangenehme Hook-Vorschlaghammer-Tiefpunkte wie Emo Girl (mit Smith-Mischpoke Willow) hängen bleiben. Weswegen die finale Erkenntnis zwar kommt, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen, doch ja – Mainstream Sellout ist einfach scheiße.

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