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Mariachi El Bronx – Música Muerta

Nachdem das Mutterschiff The Bronx im vergangenen Jahr bereits mit der sehr befriedigenden Reste-Sammlung Dead Tracks zusammenräumte, was neben den regulären Studioalben so alles abfiel, zieht das Alter Ego Mariachi El Bronx diesbezüglich mit Música Muerta nach.

Cinco de Mayo wurde 2020 also stilecht mit einem Überrschungscoup begangen: Aus dem Nichts kommend war das zweiteilige Música Muerta für wenige Stunden als Vinyl-Version vorzubestellen (in hiesigen Gefilden übrigens mit absurden Versandkosten), zeitgleich bot sich die physisch limitierte Veröffentlichung digital unmittelbar verfügbar an.
Ähnlich wie schon bei der Stammband und deren Compilation Dead Tracks speist sich das Paket dabei aus einer ganzen Riege an Raritäten. Unter den 25 versammelten Songs finden sich unter anderem Live Sessions, Cover Songs, Demos oder auch zehn bisher unveröffentlichte Nummern.

Neben potenten Ohrwürmern auf Niveau der drei bisherigen Studioalben von Mariachi El Bronx (gerade Lotería, Hail Mary sowie dem grandiosen All Eyes) und guten Standards aus der zweiten Reihe (Mistress Misery, das mit Twist daherkommende Leche, Lady Rosales, If Ever oder Thank You & Goodnight) reihen sich deswegen Comedy-Versatzstücke (Aqua Something You Know Whatever mit Schoolly D), penetrante Happyness (Friends Can Make You Smile) oder Akkordeon-Gastauftritte (Matt Hensley in Norteño Lights), eine wirklich unterhaltsame Adaption des Weeds-Titelsongs Little Boxes und natürlich einige Fremdkompositionen im typischen Texmex-Sound der Band: I Would Die 4 You (Prince), das starke Bob Dylan-Original Love Sick mit erhebendem Chor, das Potential liegen lassende Not Anymore (Dead Boys), der längst verinnerlichte Orbison-Klassiker Only the Lonely und das im Brimborium aufdrehende The Christian Life von The Byrds liefern exakt entlang der Erwartungshaltung ab.

Die Wurzeln der Kalifornier werden zudem im akustischen Punkrock von Wild & Free überdeutlich, die Keimzelle der Idee Mariachi El Bronx ist mit Dirty Leaves freilich auch vorhanden, während eine frühe Version von Cell Mates zeigt, dass auch Matt Caughtran sich erst Selbstbewusstsein in der geschmeidigeren Mariachi-Gangart aneignen musste – mehr noch als die ausgewiesenen Demoaufnahmen.
Auch wenn der Sound der achtköpfigen Mariachiband (gerade über die Distanz von insgesamt 84 Minuten) gefühlt schneller übersättigt, als jener des Punk-Outfits, und die Distanz zwischen den beiden Spielwiesen subjektiv nicht nur eine stilistische ist, macht mit Música Muerta damit wenig falsch, obwohl freilich nicht alles hier essentiell ausfällt. Ein netter Dienst am unersättlichen Fan ist das dennoch – der die Ungeduld auf das sechste Bronx-Album freilich weniger befriedigend stillt als Dead Tracks.

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