Website-Icon HeavyPop.at

Mark Lanegan – Dark Mark Does Christmas 2020

Die limitierte Tour-EP Dark Mark Does Christmas 2012 ist zwar physisch auf Discogs und Co. immer noch zu erstehen, aber teuer. Sehr weihnachtlich also, das darauf vorhandene Material neu aufzulegen und mit vier zusätzlichen Songs gleich zum Album aufzuwerten.

Die acht Jahre alte Rarität bildet dabei den Rahmen von Dark Mark Does Christmas 2020. Die Traditionals The Cherry Tree Carol, Down in Yon Forest und O Holy Night auf der vorderen, sowie We Three Kings, Coventry Carol und das Rocky Erickson-Cover Burn the Flames auf der hinteren Seite überzeugen dabei immer noch als latent kauzige Aufnahmen, spartanisch und wettergegerbt, ohne beschönigende Klangpolitur: An den zeitlosen Qualitäten des Materials der ursprünglichen EP hat sich also auch in diesem Kontext nichts geändert – und diese Vorzüge wurden ja bereits reichlich gepriesen.

Insofern sei der Fokus auf die vier neuen Nummern gelegt, die das neue Herzstück des nunmehrigen Albums stellen, auch weitestgehend solide Arbeit verrichten, allerdings auch ein ambivalentes Update von Dark Mark Does Christmas anbieten.
Das Original Christmas Song knüft den Faden der ersten drei alten Songs mit einem elektroakustischen Schwofen samt spartanischer Beats und unterspülender Synthie-Schwaden im Hintergrund homogen weiter, installiert die aktuellere, „modernere“ Prägung eines längst primär an fiependem Maschinenknöpfen interessierten Mark Lanegan mit den Grundfesten des hemdsärmeligen Gitarren-Raubeins, spannt die Symbiose unaufgeregt und auf angenehme Weise monoton weiter. Ähnlich gelungen dann das Everly Brothers-Cover Christmas Eve Can Kill You, das als gefühlvolle Annäherung am Keyboard subtil inszeniert die Grenzen von Lanegans Stimme charismatisch betörend vermisst und auch den Übergang zu den 2012er-Stücken findet.

In the Bleak Midwinter ist ätherisch ausgelegt eine sakral orgelnde Elegie. Lanegan heult aus dem hallenden Raum – durchaus atmosphärisch, aber auch über Gebühr mäandernd. Was sich verschmerzen lässt. Doch die Eigenkomposition Death Drums On The River fällt dann doch so störend wie möglich aus dem Kontext: Als dilettantischer Synthpop mit nervend fiepend-funkelnden Keyboarden und einer eindimensional stampfenden Drummachine ohne Entwicklung oder weihnachtliche Stimmung, Pseudio-Discomusik ohne Ansprüche, Muskeln oder Hirn, Ansprüche oder Fantasie. Das kann man unkonventionell nennen, präsentiert aber tatsächlich die schlimmste Seite einer von Lanegan seit gut einem Jahrzehnt verfolgten ästhetischen Schiene, die er so einfach bei aller Liebe nicht beherrscht. Ob Joe Cardamone ihm diesbezüglich auf die richtige Richtung führen kann bleibt abzuwarten, für die stille Zeit des Jahres bleibt Lanegan auch mit gravierendem Schönheitsfehler und solider Quantitäts-Auffüllung eine gute Wahl.

Die mobile Version verlassen