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Mclusky – Gateway Band

Mclusky - Gateway Band

Den *-Zusatz haben Mclusky mittlerweile abgelegt, es wird zudem ernst mit einer Comeback-Studio-Platte unter der Ägide von Steve Albini. Die Startrampe dazu ist die famose Liveplatte Gateway Band.

Obwohl die hier abschließend als Bonus angehängte Demo zum neuen Song Stop Feeding the houseplants – „yes! it’s home recorded. yes! it’ll probably sound different in the room. yes! at the moment it doesn’t sound exactly like ‚do dallas‘ (which was released eighteen fucking years ago, get over it). so what? SO WHAT? enjoy it – or … don’t! the plan is to write 14 albums and record the best bits with world famous recording engineer Steven Albini late next year in that Chicago.“ – als guter Standard nur sehr vorsichtige Euphorie für das erste Studioalbum der Band seit 2004 entfachen kann, zeigt der Mitschnitt aus dem Clwb Ifor Bach in Cardiff vom 19. Dezember 2019, dass zumindest die Live-Reunion der Noiserock-Legende Mclusky eine ziemlich gute Idee war.

Immerhin klingen gerade die Songs des ambivalenter rezipierten Drittwerks und vorläufigen Schwanengesangs The Difference Between Me and You Is That I’m Not on Fire in der neuen Besetzung (zum Future of the Left-Kern aus Andrew “Falco” Falkous und Jack Egglestone gesellt sich zumindest temporär Damien Sayell von The St. Pierre Snake Invasion als Bassist) und außerhalb des Studios absolut großartig – bissiger und kräftiger, manischer und dringlicher, muskulöser und unbedingter, als auf Platte. Nachzuhören etwa gleich relativ zu Beginn in Without MSG I Am Nothing, in dem sich Falco und Sayell (vor der zu jedem Augenblick herrlich schweißtreibenden Performance des Trios sowie einem höchstens drumtechnisch ein bisschen zu sterilen Sound) geradezu überfallsartig am Mikro ergänzen, bevor auch That Man Will Not Hang so massiv drückend wie nie zuvor agiert. Da ist viel Optimierungsarbeit geleistet worden.
In den Do Dallas-Klassikern schrammt diese Spielwut selten aber doch an schon zu ambitioniert gebrüllten Ausbrüchen vorbei, was die Intensität einer dringlichen Show aber eigentlich nur impulsiv verdichtet.
Dass Jon Chapple What We’ve Learned besser hinbekommen hat, der Über-Song She Will Only Bring You Happiness leider erst später vor den Australien-Aufenthalten in die Setlist fand und My Pain and Sadness Is More Sad and Painful Than Yours nur durch ein furios-punkiges Rice Is Nice vertreten ist – geschenkt. Selbst die vermeintlichen Mankos gehen hier anstandslos durch

Schwer zu sagen also, wo nach dem aus dem Feedback geborenen Opener Fuck this Band die stärksten Szenen auftrumpfen. Vom garstig groovenden Collagen Rock über das unsterbliche Lightsabre Cocksucking Blues, dem funkensprühenden Alan Is a Cowboy Killer zu dem seltenen The World Loves Us Is Our Bitch, dem Deep Cut No Covers und dem Favoriten You Should Be Ashamed, Seamus, über das irre gute Whoyouknow vor dem Abgang durch die absolute Bank To Hell With Good Intentions – hier geben sich nur absolute Kracher die Klinke in die Hand, es folgt Hit auf Hit, Lieblingssong auf Evergreen.
Dazu ist die Stimmung atmosphärisch und ohne Reibungsverlust eingefangen, die Interaktion mit dem Publikum meistens köstlich (die Einleitung zu Chases hat die einzige Länge) und ohne Ausfallquote ist sowieso eine so extreme Kurzweiligkeit gegeben, dass selbst die reguläre Version von Mcluskysm überholt wird: Gateway Band ist ein quasi Best of in beeindruckender Darbietung, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.
(Bis 15. Jänner 2021 werden noch Vorbestellungen für das CD/DVD-Set via Bandcamp angenommen. Neben der Show aus Cardiff – als Schwarzweiß-Film – wird auch jene vom London Dingwalls am 6. Dezember 2019 – in Farbe – als Videomitschnitt in dem Gesamtpaket Gateway Band erscheinen; welches der beiden Konzerte auf Tonträger gebrannt wird, soll erst entschieden werden.)

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