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Metz – Atlas Vending

Seit Strange Peace deuteten ja alle Vorzeichen darauf hin, dass sich Metz mit ihrem Viertwerk einem bisherigen Schaffenszenit nähern würden. Versprechen, die Atlas Vending nun mit einem zugänglicherem Songwriting unter dem angestammten Noise Rock-Ungemach erfüllt.

Auf die ersten Meter scheinen die primären Impulsgeber dieser Entwicklung schnell ausgemacht: Als Co-Produzenten des wieder in Eigenregie aufgenommenen Viertwerks hat sich das Trio Uniform-Mann Ben Greenberg an Bord geholt, den Mix erledigt Seth Manchester, in dessen Referenz-Portfolio neben Lingua Ignota und The Body eben auch Daughters aufscheinen.
Trotzdem muss es überraschen, mit welcher Distanzlosigkeit der Einstieg von Atlas Vending die Essenz von You Won’t Get What You Want inhaliert hat, wie gravierend Pulse auf jene stoisch-archaisch hämmernden Drums setzt, die Jon Sylverson vom restlichen Sound-Fleisch spartanisch abgezogen auch für die erste Alexis Marshall-Solosingle patentieren hat lassen, während manisch aufgeriebene Gitarren mit Blick auf den Exzess der Psycho entgegenlauern.

Auch später wird die Assoziative Nähe zu den Daughters unterschwellig im Charakter von Atlas Vending brüten – etwa, wenn das eilig polternde Blind Youth Industrial Park (mit seinen von den Queens fantasierenden Fiebertraum-Harmoniegesängen) und das noch dringlichere The Mirror als nervöses Doppel das eingängigere Wirken von zwingenden Melodien zulassen, das Songwriting griffiger das Fundament bereitstellt, wo auf bisherigen Metz-Alben die Ästhetik, Attitüde und Performance vieles im Alleingang stemmen hätten müssen; oder Hail Taxi als verzweifelte Karambolage, die so lange an die 2018 ihr so triumphales Comeback bestreitende Band erinnert, bis die Kanadier mit einer überraschend optimistische Hook samt schmissigen Twist durchlüften.
Doch selbst hier sind Metz eben keineswegs „nur“ am adaptieren – obgleich es ohnedies richtiger ist, ihnen eine ähnliche, wenngleich im direkten Vergleich zu Daughters etwas weniger ausgeprägte eklektische Epigonen-Bewunderung für Jesus Lizard zu attestieren – sondern tatsächlich mitten drinnen in einem räudig transpirierenden, perspektivenerweiternden Evolutionsprozess, der Atlas Vending auch deswegen aggressiver und wütender, gefährlicher und ambitionierter, letztendlich vielschichtiger auftreten lässt, weil die Bandbreite und Balance der Band so variabel wie nie zuvor ist.

No Ceiling geht im Kontext als schlecht gelaunter, ausgelassener Punkrock-Singalong durch, Sugar Pill attackiert seine eigene nonchalante poppige Tendenz zum kompakten Alternative Rock mit Stacheldraht um die geballten Fäuste, Parasite ruft als knackiger Krawall den Tumult am dynamischen Ringelspiel aus.
Am stärksten operieren Metz mittlerweile aber immer dann, wenn der noiserockige Nihilismus mit einer bisher ungenannten Sorgfalt kontrastiert. Draw Us In hat dort eine beinahe melancholische Schlagseite in seiner brütenden, schunkelnden Abgründigkeit samt beatles’ker Psychedelik. Framed by the Comets Tail pendelt albtraumhaftem im Wahn, spannt seinen Bogen aber mit einer beinahe gefälligen Versöhnlichkeit zu einem runden Ganzen, das durchaus Frieden mit sich selbst schließen darf, anstelle misshandelt zu werden, bevor A Boat to Drown In mit giftiger Miene am ausgefeilten Zweckoptimismus vorbeischrammt – „Feel the air expand and retract, the future lasts forever/ Let the crowd sink to the ground, nothing left to hold you back“ – und die Band in ein jamkonzentriertes, krautiges Shoegaze-Meer abtaucht: Tiefer, ergiebiger und weitläufiger als hier haben Metz noch nicht randaliert.

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