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מזמור (Mizmor) – Wit’s End

מזמור (Mizmor) – Wit's End

Weniger enttäuschend als vielmehr überraschend, diese Gedankengänge rund um das Fermi Paradox: Auf Wit‘s End überzeugt Doom-Meister A.L.N.  alias מזמור alias Mizmor gerade abseits seiner Kernkompetenzen.

Dennoch neigt man aus der übergreifenden Blickwinkel zu einer – gemessen am bisherigen Mizmor-Schaffen – ernüchternden, oder zumindest weniger euphorisiert als erhofften Reaktion. Auch, weil sich Wit‘s Ends mit gerade einmal zwei Nummern und 30 Minuten Laufzeit weniger wie ein vollwertiges Album, denn eine EP anfühlt, abseits aller anderen Kritikpunkte auch das Artwork nicht die Qualitäten der beiden Vorgänger Yodh (2016) sowie Cairn (2019) besitzt – und die stilistische bipolare Verortung der Platte zudem zumindest auf den Erstkontakt eher wie eine Momentaufnahme anmutet, nicht wie ein schlüssig zu einem runden Ende gedachtes Ganzes.

Am gravierendsten ist allerdings, dass sich das Titelstück auch mit ein wenig Abstand „nur“ als rundum solides Mizmor-Stück entpuppt, dass sich nach einem cleanen Intro mit verzweifelter Melancholie, gepeinigtem Gebrüll, gebremsten Rhythmen und zähen Riffs in drückendem Panorama entlang der Band-Trademarks durch den Funeral Doom schleppt.
Absolut kompetent und eindringlich – aber eben auch nicht derart intensiv oder eigenständig, wie man das von A.L.N. schon gehört hat. Ohne dem Song seine Leidenschaft und Hingabe abzusprechen, hebt sich die Inspiration des Songwritings hier nur bedingt aus dem Schatten der souveränen Routine. Die bisher forcierten Ahnungen von Drone, Sludge oder Black Metal bleiben zudem weitestgehend außen vor, was beinahe eine asketische, traditionelle oder puristische Stimmung erzeugt; entschlackt, minimalistischer und zurückgenommen wirkt, damit aber auch weniger erfüllend, weniger plättend und kasteiend. Die Katharsis ist in Griffweite, aber wird nicht erreicht.

Die Kohlen aus dem Feuer holt dagegen ausgerechnet Pareidolia, das als pastoraler Dark Ambient zu Dialetheia blickend aus der Komfortzone von Mizmor reicht. Als hätte der Caretaker die Disintegration Loops als sakrale Erinnerung im weihnachtlichen Gedanken an The Leftovers erträumt, die letztendlich in einen rückwärts gespulten Vocal-Bandsalat führen, der etwas entrückt erhebendes, feierlich dekonstruiertes in dichter Andacht schwelgen lässt. Hier die Atmosphäre imaginativer und fesselnder als auf Wit‘s End, doch gerade auch als Nachhall zum Doom funktioniert der herausragende Ausflug ideal.
Tatsächlich ergänzen sich die beiden Stücke so also doch noch als gegenseitig ausgewogen balancierender Verbund, der jedoch nichtsdestotrotz wie ein kurzer Stopp vor der nächsten überwältigenden Metamorphose von Mizmor anmutet, nicht wie ein essentieller Teil des Hauptwerkes.

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