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Mono – Pilgrimage of the Soul

Mono - Pilgrimage of the Soul

Schätzt man am Postrock für allem eine wertkonservative Überraschungsarmmut und Zuverlässigkeit, sind Mono einer der Anlaufstellen des Genres – und bleiben es freilich auch mit Pilgrimage of the Soul.

Dass da im Vorfeld von unerwarteten Elementen, die sich aus der Elektronik, dem Techno und der Disco speisen sollen, die Rede war, lässt sich nun jedenfalls höchstens aus einer besonders puristischen Perspektive bestätigen. Mit viel interpretierenden Entgegenkommen kann man derartige Ambitionen dann zumindest in das auf einem subtilen Space-Kraut-Loop erbauten Imperfect Things hineindeuten, weil die brutzelnd-federnde Rhytmusabteilung in lockerer Pop-Leichtigkeit nonchalant auf die fast tanzbare Hi-Hat setzt.
Aber Hand aufs Herz: selbst diese Ausrichtung ist dann atmosphärisch doch vor allem typisch in der Komfortzone der Band verankert – gerade im Kontext so sehr gar, dass Pilgrimage of the Soul als Ganzes auf den Erstkontakt geradezu formelhaft und generisch aus dem komfortablen Standard-Baukasten gezogen zu sein scheint.

Was einerseits letztendlich nicht stimmen wird, andererseits angesichts der grundlegenden Kompetenzen von Mono ja auch ohnedies nichts ausdrücklich schlechtes wäre. Einen über knapp 13 Minuten gestreckten Song wie Hold Infinity in the Palm of Your Hand, der sich ohne Längen vom nostalgischen Bimmeln über altbekannte Laut/Leise/Delay/Crescendi bis kurz vor die (natürlich nicht provozierte) Kakophonie dehnt, ohne jemals zu langweilen, muss man scjließlich erst einmal schreiben können. Und wo so viele Vertreter des Postrock dies eben nicht tun, schaffen Mono das Kunststück immer noch wie selbstverständlich – und schieben mit And Eternity in an Hour auch noch einen tröstenden, vielleicht zu simpel ohne Entwicklung abseits der Verdichtung auskommenden Piano-und-Streicher-Balsam nach, der den Bogen zu Heaven in a Wild Flower (einer melancholischen Einkehr, pastoral nachdenklich und minimalistisch, als malerischer Score, der auf den üblichen Auflösungs-Klimax verzichtet, sich dadurch aber auch wie ein in der Luft hängen lassendes Interlude anfühlt) zurückspannt und den orchestralen Vorlieben der Band viel Raum gibt.

Dieses Gespür für Dynamiken und formvollendetes Postrock-Songwriting sind nur zwei der Qualitäten, deren Verinnerlichung Mono immer noch mühelos über den Durchschnitt hebt, auch wenn man nach den Jubiläumsfeierlichkeiten keine stilistische Palastrevolte oder Zäsur anzettelt. Auf Albumlänge klingt Pilgrimage of the Soul vielmehr weitestgehend erwartbar, wunderschönen Pathos verbreitend, aber den Kitsch besser ausbalancierend, dabei runder und erfüllender als seine direkten Vorgänger….selbst  wenn man eh jeder Platte im vergangenen Jahrzehnt attestierte „die beste seit Hymn to the Immortal Wind“ zu sein – was diesmal abermals stimmt, mehr als die bisherigen Male sogar, vom ersten Moment an.
Riptide eröffnet nach kurzem Geplänkel demonstrativ angriffslustig, wuchtig und eruptiv-ruppig, inszeniert seine Idee stets dringlicher und dramatischer werdend, bevor mit dem fragmentarisch bleibenden To See a World, dem anmutig die Vetsöhnlichkeit suchenden Innocence, sowie dem düster-schimmernden Groove von The Auguries primär klassische Zuverlässigkeit und stimmungsvolle Imagination angesagt. Im Erschaffen ihrer Welt sind die Japaner einfach Meister.
Oder der vielleicht beste Indikator: Wie sehr man das alles selbst in einem solch starken Genre-Jahrgang genießt (wenngleich ohne die Euphorie, die die Klassenbesten 2021 zu erzeugen wussten), adelt Pilgrimage of the Soul praktisch ansatzlos.

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