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Mr. Bungle – The Night They Came Home

Mr. Bungle - The Night They Came Home

The Night They Came Home, der wahnwitzige Spagat zwischen Thrash Metal-Feuerwerk und Comedy Special, den Mr. Bungle zu Halloween 2020 als Livestream Event von der Leine ließen, gibt es nun auch auf CD, Blu Ray und Videokassette.

Na sicher lohnt sich alleine schon die Audio-Dokumentation des 65 Minuten langen Sets. Die Band – der Kern aus Mike Patton, Trevor Dunn und Trey Spruance sowie den längst fest integrierten Scott Ian und Dave Lombardo – ist furios aufgelegt. Die ohne Atempause zusammengeschnittene Performance ist hungrig und motiviert, technisch schwindelerregend schnell und macht allen Beteiligten wohl ebenso viel Spaß, wie man vor den Boxen haben muss, wenn Mr. Bungle beinahe alle Songs des Thrash-Jahrgangsbesten von 2020 (aka The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo) durchknüppeln – genau genommen fehlt nur das Album-Intro Grizzly Adams, das durch die immer wieder in den Metal ausbrechende Mr. Rodgers-Einleitung Won’t You Be My Neighbor? ersetzt wird. Dazu gesellen sich noch eine Handvoll weiterer Coversongs.

Neben den obligatorischen, bereits aus dem Studio bekannten S.O.D. und C.O.C.-Interpretationen (also dem Hypocrites-Anhängsel Habla Español O Muere und Loss for Words) gibt es noch die Van Halen-Inferno-Verneigung Loss of Control(mit Dunn als fistelndes Backup am Mikro, wohingegen Patton sich sein Cartoon-Grinsen doch ein bisschen verkneifen hätte können) , eine Runde Circle Jerks (World Up My Ass) sowie einem dem komödiantischen nicht abgeneigten Wechselbalg aus dem brutal-instrumentalen Slayer-Stück Hell Awaits und dem entspannten, fantastisch gesungenen Summer Breeze (Seals & Croft). Näher kommt man dem Stil-Wahnsinn der ersten drei Alben übrigens auch im Verlauf dieses Abends nicht, dann jedwedes Material von Mr. Bungle (1991), Disco Volante (1995) und California (1999)  wird ausgespart. Das Korsett dieser Inkarnation von Mr. Bungle sitzt eben relativ eng, doch all die Riffs und Solos und Grooves kommen auch gerade deswegen mit einer zwingenden, salopp dem Klamauk zugeneigten Dringlichkeit daher.

Deswegen ruft The Night They Came Home seine eigentliche Brillanz erst als Komplettpaket ab, wenn es über das tontechnisch konservierte Set von Mr. Bungle hinausgeht. Dann gibt es neben Interviews mit den Musikern eine absurde Stand-Up-Show von Gregg Turkington alias Neil Hamburger als Support Act zu sehen, fallen prominente Gäste wie Josh Homme, Glenn Howerten, Henry Rollins, Eric Andrè, Buzz Osborne oder David Yow von den Stühlen, während Patton und Co. vor ihrer heimeligen Bibliothek-Bühne (genauer: der Eureka Public Library) permanent Gas geben.
Wir haben es hier also gewissermaßen mit einer Optimierungsarbeit zu tun: The Night They Came Home macht seine Sache (trotz einiger übernommener Längen in den hinteren Songs) mit tollem Sound und Bild sogar noch ein Quäntchen kurzweiliger, unterhaltsamer und dynamischer, als das Ausgangsmaterial von The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo.


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