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Nails – Unsilent Death (10th Anniversary Edition)

Nails - Unsilent Death (10th Anniversary Edition)

Ob Nails derzeit überhaupt noch existieren ist (wieder einmal/ immer noch) mehr als fraglich. Das zehnjährige Jubiläum von Unsilent Death kann aber ja dennoch gefeiert werden.

Eine Dekade nach der Erstveröffentlichung hat man gut daran getan, die zehn Songs des Debütalbums für diese Anniversary Edition unverändert aufzufahren: Der von Kurt Ballou besorgte Sound verlangt in knapp 14 Minuten der puren Grind-Powerviolence-Radikalität keine Frischzellenkur, sondern verprügelt heute so aggressiv und angepisst asozial wie damals.
Das Songmaterial selbst ist dahinter subjektiv vielleicht noch nicht restlos auf der selben Augenhöhe mit den modernen Klassikern Abandon All Life (2013) und You Will Never Be One Of Us (2016), zementierte aber den harschen Ausnahmestatus der Band gleich im ersten Langspieler-Anlauf. (Ganz zu schweigen davon, dass die öffentliche Wahrnehmung der Band seinerzeit auch eine weniger ambivalente war als heute).

Dass diese Machtdemonstration nicht aus dem Stand heraus erfolgte, lässt sich anhand des zusätzlich aufgefahrenen Materials nachvollziehen – welches dann vollständig an den Album-Sound heranreichend von Ballou und Nick Townsend aufgemotzt wurde.
Drei Songs gibt es von Obscene Humanity – wohlgemerkt nicht von der 2009 (mit Produzent Alex Estrada) veröffentlichten, sieben Songs starken Einstands-EP, sondern von der drei Jahre erschienen gleichnamigen 7“, auf der die damalige Besetzung (Todd Jones, John Glue, Taylor Young) in den Godcity Studios mit Ballou Teile der 12“ neu eingespielt hatte: Confront Them (verzweifelte Hysterie findet den massiven Groove mit rohem Geschrei), Obscene Humanity (ein Circle Pit-Manöver sucht das Gaspedal mit breitbeinigem Riff) und Lies (kloppend tackernd reißt das Muskelspiel ein Solo und stampfende Stimmungsmache mit, entwickelt einen Bulldozer, der sich stoisch repetierend alle walzende Zeit der Welt lässt, um am dissonanten Noise aufgerieben episch abzutreten).

Noch interessanter (und für Fans unbedingt essentiell) sind aber zwei bisher unveröffentlichte Songs aus den Sessions zu Unsilent Death.
Leech keift mit würgenden Reflexen zu in Schüben kommenden Blastbeats und ist ein unter Strom stehendes, unberechenbares Biest. Und Enemy rührt den Pit mit metallischer Kante stiernackensehnig an, steigert sich im Herzen aber zu einem eskalierenden Geschwindigkeitsirrinn, der letztendlich wieder in den dickflüssigen Rahmen zurückzurandaliert – eine schlüssige Single zudem. Dass das Soundgewand hier nun in Relation etwas zu fett für das ursprüngliche Studioalbum ausgefallen ist, und so heftig bollert und bellt, dass der roh-punkige Kern mit tougher Attitüde überzogen ist, dürfte für Chronisten schade sein, funktioniert im Kontext der Edition dann aber doch problemlos. Das überschäumende Adrenalin, das weiße in den Augen und der Schaum vorm Mund ist damals wie heute grundlegend eben der selbe.
Warum diese zwei variablen Abrissbirnen auf Albumniveau es seinerzeit nicht auf die Platte geschafft haben bleibt deswegen auch offen – weswegen diese Neuauflage aber eigentlich nur unbedingter in die Sammlung neben das zehn Jahre alte Original muß.

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