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Napalm Death – Logic Ravaged By Brute Force

Napalm Death - Logic Ravaged By Brute Force

Die unfehlbare Grind-Instanz Napalm Death wird bald mit ihrem 16. Studioalbum um die Ecke biegen. Davor gibt es mit dem titelstiftenden Logic Ravaged by Brute Force sowie dem Sonic Youth-Cover White Kross allerdings noch ein ambivalentes Kurzformat.

Knapp fünf Jahre nach Apex Predator – Easy Meat (und zumindest zwei nach der starken Compilation Coded Smears and More Uncommon Slurs) tut sich also endlich wieder was bei den personell rotierenden Briten, die ja neben dem einen oder anderen genreprägenden Klassiker seit bald drei Dekaden ohne qualitativen Ausfall arbeiten.
Logic Ravaged by Brute Force kann insofern durchaus auf dem falschen Fuß erwischen, sind die zwei hier aufgefahrenen Songs doch alles andere als klassisches Napalm Death-Material, genau genommen nicht einmal wirklich für die patentierte Grindcore-Schublade geeignet: Gerade Puristen werden die physisch in limitierter 7-Inch-Auflage veröffentlichten 8 Minuten eher am experimentellen Ende des Spektrums der Band verorten.

Barney Greenway dazu: „In keeping with Napalm Death custom, we had a vast swathe of new songs with many different flavours. So then naturally we moved into single territory and opted for Logic Ravaged By Brute Force. It’s the coldness and desperation of the guitar chords and voice that swung it.
Gewissermaßen orientiert sich die Nummer an den späten 90ern, erzeugt mit groovenden Toms einen dreckigen Sound, klopft und poltert und stampft stoisch im flotteren Midtempo nach vorne, während die schraubende Gitarrenlinie in den Strophen die Linie so monoton wie catchy vorgibt. Gerade für den sich lichtenden Part im vermeintlichen Chorus schiebt Greenway aber sowieso alle Garstigkeit beiseite, der Gesang wird irritierend melodisch, mitsingbar gar, und lässt Logic Ravaged By Brute Force spätestens hier ein wenig an Ministry im Metal-Modus denken. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber auch interessant – wohl sogar ein untypischer kleiner Hit, dem einfach nur eine Überraschung innerhalb seines zu straighten Kontextes fehlt.

Und selbst wenn die Rechnung wegen der zu repetitiv und vorhersehbar ausgelegten Struktur aus Strophe und Refrain sowie dem Gefühl einer zu artig angezogenen Handbremse nicht ganz aufgeht, spricht alleine der Drang abseits der sicheren Komfortzone zu drangsalieren für Napalm Death. Da passt es dann auch nur zu gut, dass sich die Band danach für eine Interpretation des Sonic Youth-Klassikers White Kross aus dem Fenster lehnt – und auf ganzer Linie stilvoll triumphiert: „Seeing as Sonic Youth mash chords like few others, this cover of White Kross just seemed to lift itself beyond the constraints of cover – or filler – song into a bit of a rumbling wall-of-sound epic.“ Kann man so stehen lassen.
Napalm Death bleiben dem Original gleichermaßen treu, wie sie sich die Seele mit bedrohlich gepresster Aggressivität ausspeien, den schmissig von der nach vorne ziehenden Überholspur zum hysterisch rotierenden Jam ausblutenden Kadaver hinten raus durch die Distortion schleifen, und gar beinahe mit hypnotisch-ritueller Mystik vage zum (Death)Doom umdeuten, indem sie den Bogen einer mit gar nicht wirklich rasanten Tempo daherkommenden EP schließen.
Logic Ravaged By Brute Force mag deswegen im Ganzen eigentlich nicht sein, worauf man die vergangenen fünf Jahre gewartet hat, steigert als erst eine neue Orientierung einfordernder Irgendwo-doch-Ohrwurm-Schleuder-Grower ohne radikale Extremsituationen aber verdammt viel Coolness jedoch ausgerechnet dadurch schon die Spannung und Vorfreude auf das nächste Studioalbum.

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