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Neolithic – Neolithic

Neolithic - Neolithic

Die nächste EP-Runde für die längst auf Betriebstemperatur laufenden Neolithic: 12 Minuten randaliert die designierte Szene-Allstar-Kombo aus Baltimore abermals in ihrer zwischen Death Metal, Hardcore und Crustpunk wütenden Kampfzone.

Ein Radius, den das Quintett ja bereits über ihre bisherigen beiden Veröffentlichungen – eine gemeinsame Split mit Martyrdöd sowie die Cult of Ignorance-Ep aus dem vergangenen Jahr – versiert abgesteckt hat.
Das nun nachgeschobene selbstbetitelte Kurzformat setzt einerseits zwar wieder exakt dort an, stellt andererseits allerdings auch das bisher kompletteste Schaffen der Band zusammen, indem die fünf neuen Nummern über eine tolle Bandbreite und Dynamik mit vielseitiger gewordenen Kompositionen die Perspektiven leicht erweitert haben. Neolithic hat einen tollen Fluss, ist hinter stark gesetzten Akzenten und individuellen Songwriting vor allem als Ganzes absolut schlüssig und kohärent überzeugend, deckt in den enger stehenden Texturen zudem eine größere Tragweite ab und ist überraschenderweise immer dann am besten, wenn sich Neolithic vom angestammten D-Beat entfernen (was mittlerweile erfreulicherweise über weite Strecken der Fall ist).

Dass sich die proklamierten „Noise contributions by Dylan Walker (Full of Hell) and Kevin Bernsten“ nahezu unkenntlich homogen in den Sound der Band integrieren, ist dabei durchaus symptomatisch für das evolutionäre Wesen der Ep.
Den tackernden Hummel-Riffs des immer rasanter kloppenden Myopia stellen Neolithic so das sludgig röhrende War Discordance als Gegenpart nach, das langsam schwärmend mahlt, sein dicht saugendes Rauschen mit einer dramatischen Hymnik untergräbt, zähflüssig und doch treibend bleibt, bevor Perdition Chaser punkige Funken in Richtung Oozing Wound sprühen lässt, thrashige Gitarren eingängige Motive nutzen, das Tempo mal beschwörender gedrosselt wird und im Rahmen galoppiert.
Eine grandiose erste Hälfte der bisher nur digital veröffentlichten EP. Entropy of Totality lehnt sich danach eindringlich und episch auf, zieht den Spannungsbogen martialischen Richtung Entombed auf und setzt im Grunde die ideale Steilvorlage für Pervasion of Oblivion, sich immer weiter nach oben stemmt, Drummer JonJohn Michaud sowie die Gitarrenbestien Mitchell Roemer und Dustin Thornton in Hochform zeigt, während der Closer immer weiter mutiert – aber vielleicht das eine oder andere erinnerungswürdige Riffvermissen lässt, dass Bewertungstechnisch die nächthöhere Punktezahl bedeutet hätte.

Nichtsdestotrotz machen Neolithic im Allgemeinen wie Speziellen eigentlich alles noch einmal ein Quäntchen besser als bisher bereits, gerade das Lösen der D-Beat-Strukturen bringt neue Freiheiten.
Sucht man nach dem Haar in der Suppe, ist dieses deswegen auch mehr denn je ein relatives: Neolithic ist bärenstarke Kost und holt mit intensiver Kraft ab, taucht aber aus dem kotzenden Morast im Zweifelsfall immer noch eher bekannte Genre-Muster an, anstatt sich ein eigenes Hohheitsgebiet in der ersten Reihe zu reklamieren, originäre Highlight-Genieblitze auszupacken. Trotzdem klangen Neolithic noch nie näher bei sich selbst als jetzt, scheinen ihren Sound mit dieser EP endgültig gefunden zu haben. Legen wir uns also fest: Hiernach hat die Kombo ihre Meisterprüfung auf Schiene gebracht.

Digital Download via Bandcamp |

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