HeavyPop.at

Nick Hakim & Roy Nathanson – Small Things

Spoken Word, Neo Soul und Jazz in Freeform, irgendwo zwischen Gil Scott-Heron, King Krule und DAngelo: Nick Hakim und Roy Nathanson verarbeiten auf Small Things Gedichte zu formoffenen Songs.

She was speaking to the saxophone / In an intimate way / All because she recognized that the saxophone / Is a kindred spirit“ singt Hakim romantisch in Small Things 2, legt sich in die Arme eine warmen Akustikgitarre, während das besungene Instrument verzückt über den Dingen zwitschert und trillert, sich nicht einfangen lassen will. Kurz davor, in All the Things You Are (Reimagined), flirtet der Saxofonist Nathanson schwelgend mit dem Piano, der Gesang von Hakim begleitet weich und gedankenverloren, doch die Spoken Word-Parts des Jazz-Musikers aus dem Jazz Passengers-, The Lounge Lizards und Onyx Collective-Dunstkreises sind die unprätentiös aufgenommene Basis der Nummer – selbst wenn der Beat später wuchtiger zu hämmern und die Bläser kakophonischer aufzukochen begonnen haben. All the Things You Are (Reimagined) ist nämlich ein für die gesamte Platte repräsentativer, instinktiver Spaziergang, ohne Ziel. Ein loses Arrangement, ohne Zwang, das irgendwann spontan abschweift, weil weite Strecken von Small Things wie improvisierte Zufälligkeiten wirken, nonchalant und lässig im Türrahmen lehnend, obwohl das Duo weit über ein Jahr an den Feinheiten ihres Kooperationsalbums gearbeitet hat.

Und tatsächlich wirkt die Flüchtigkeit aufgrund all der vielen inszenatorischen Details, den schwerelos in den Fokus kommenden, und dann wieder transzendental verschwindenden Melodien, wie die luftige, auch flüchtig bleibende Skizze einer potentiellen Großtat, die lieber eine fragmentarisch-nostalgische, auch unverbindliche Erinnerung an den Jazz bleibt.
Was sich so auch alles in Cry & Party nachprüfen lässt, obwohl die Nummer betont aufgeweckt aus dem sonst beinahe meditativen Rahmen fällt. Eine kleine Ausgelassenheit, die in ihrer repetitiv strukturierten Ader eine so catchy hängend bleibende Saxofon-Hook bietet, dass der Ohrwurm zur Party führen muss – freilich extrem leger. Doch selbst die rezitierenden Passagen in der zurückhaltend lauernden Auslage (hinter der im dann zurückgeschraubten, weniger demonstrativen feiernden Klangraum eben verdammt viel in den Texturen passiert) fördern die Dynamik vor der Ausgelassenheit mit Statement: „Youth. That’s a biennial, right? Yeah, I just planted three on my front lawn. They were like bulbs, old ones. The ones with the filaments and the heads too big for their bodies? Yeah, you know, biennials. Cry half the time, party the rest.
Nick Hakim und Roy Nathanson zelebrieren derweil aus ihrer Ecke der kleinen Dinge vermeintlich schludrige Kompositionen, die man sich auch ein bisschen frustrierend um die mögliche Reibungsfläche plätschernd empfinden kann, die aber selbst in diesem Fall einen eigenwilligen Reiz ausstrahlen.

Der Titelsong überrascht etwa alleine schon mit dem Einstieg, dem Singsang in einem anderen Zimmer, während das Saxofon sich sporadisch in nächster Nähe warmspielt und die Räumlichkeit der Produktion vorwegnimmt, bevor sich die Parteien doch noch treffen, ein Schlagzeug und der halluzinogene Gesang über dem entspannten Groove in den Mittelpunkt rücken, um eine smooth in den Hall entrückte Skizze zu zeichnen. Das minimalistische Things to Like and Not Like in America folgt einem in Zeitlupe schlurfenden Rhythmus, die gut versteckten Synthies sind im Soundbild kaum auszumachen. Die Vocals dagegen crooner einerseits sedativ entrückt und rezitieren aus dem anderen Organ stammend wie Bowie auf Blackstar oder Gil Scott-Heron auf I’m New Here erzählte. Gemein ist ihnen, dass Hakim und Nathanson keinen Unterschied zwischen hypnotisch und träge machen.
Im schlaftrunken plätschernden Soul von Moonman spielt das Schlagzeug mit einer relaxten Nebensächlichkeit, hat aber einen wunderbar organischen Klang und ist das Gerüst, auf dem sich der Gesang und das frei schwebende Saxofon festhalten, bevor New Guy to Look At eine Lounge bietet, in der der Standbass fesselt, sich das restliche Instrumentarium avantgardistisch und frei bewegt, die Stimme von Hakim nicht greifbar fasziniert und man sich fragen darf, ob ein junger Tom Waits das genossen, oder ein bisschen zu zwanglos und beliebig gefunden hätte. Nachvollziehbar sind beide Standpunkte, angenehmer aber wegen der verträmten Aura der erste.

Die mobile Version verlassen