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Nick Waterhouse – Nick Waterhouse

Nick Waterhouse - Nick Waterhouse

Mag Nick Waterhouse sein mittlerweile viertes Studioalbum auch nach sich selbst benennen, macht dies die Handschrift des eklektischen Anachronismus dahinter freilich nicht unbedingt charakteristisch eigenständiger.

Waterhouse ist ein Musiker, der mit jedem Handgriff eher vorführt, wie geschickt er aus der Geschichte gelernt hat, anstatt selbige mit unverkennbar originärer Identität selbst zu schreiben. Er rekonstruiert seit jeher den Rhythm and Blues der 50er als authentisches Ideal, mit einem schmissigen Gespür für Ohrwürmer, denen höchstens ein paar Millimeter zum tatsächlichen Hit fehlen.
Was, wenn man die Vorgänger Time’s All Gone, Never Twice und vor allem Holly gehört hat, auch durchaus so passt: Im Optimum kann man sich zu den Songs des 33 Jährigen Kaliforniers vorstellen, wie die Black Keys heute eventuell klingen könnten, wenn sie Danger Mouse nie begegnet wären: Konventionell, aber nicht plakativ. Waterhouse tut hingegen schlichtweg, was er kann, und kann was er tut, ohne ein aufdringliches Spektakel daraus zu machen.

Seine Stärken bleiben insofern die selben, wie auf den drei Vorgängerplatten, die Schwächen kommen diesmal allerdings ein klein bisschen deutlicher zu tragen. Immerhin stechen im vierten Anlauf an sich nur wenige Momente aus dem so typischen Sound mit der vertraut lässig twistenden Stimme, dem toll prägnanten Schlagzeug und viel zu brav dängelnder Gitarren samt den weiterhin aus weiblichen Blue Eyed-Soulstimmen, wenigen Synthies und einigen Brass-Momenten als ausschmückende Arrangements angereicherte Vintage-Verneigung. Der mit Tarantino-Twang ausgestattete Song for Winners etwa, indem er vorführt, wie gut Waterhouse ein etwas dreckigerer Klang samt weniger gefällig ausgelegten Rock’n’Roll stehen würde – wahlweise auch einfach ein etwas weniger freundlich agierender Produzent.
Oder Wreck the Road, das in Nuancen ein bisschen Girlgroup-Flair a la Phil Spector skizziert, während Which Wad Writ als smart reduziertes Panoptikum schnipst und den Hemdkragen hochstellt. Am besten gelingt allerdings Thoughts & Act, eine wunderbar weich in Zeitlupe tänzelnde Einkehr, still und elegant, die beinahe den Schulterschluss zum Slowcore der Saxophones wagt.

Drumherum hat Waterhouse jedoch vor allem „nur“ eine zutiefst angenehm nebenbei zu konsumierende Platte aufgenommen, die mit schmissigen (aber wenig nachhaltig erinnerungswürdigen) Hooks am Laufband seinem angestammten Klientel ebenso unkompliziert und zuverlässig in die Karten spielt, wie generellen Genre-Fans und alterslosen Zeitzeugen.
Routiniert und solide bedient dich Waterhouse kompositorisch zudem nicht nur im Opener By Heart hinsichtlich der Strukturen etwas zu repetitiver Muster, sondern verkauft sein selbstbetiteltes Werk vor allem auf die letzten Meter unter Wert, wenn er mit dem flapsig gemeinten, aber einfach nur unheimlich monoton nervenden Insttumental-Fugenkitt El Viv nicht nur einen im Kontext vollkommen überflüssigen Epilogansatz vorlegt, sondern wohl sogar den ersten Ausfall seines Lebens geschrieben hat.
Das Glück: Selbst wenn sich der Blick der Musikhistorie über das Revival-Spektrum hinausgehend einen Moment auf Nick Waterhouse konzentrieren würde, sollten all die gelungenen Szenen davor weiterhin gravierender ins Gewicht fallen.

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