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Oasis – Knebworth 1996

Oasis - Knebworth 1996

Wie ikonisch die beiden Konzerte von Oasis am 10. und 11. August 1996 in Knebworth waren, lässt sich zwar am besten anhand des aktuellen Films von Jake Scott nachvollziehen – der entsprechende Soundtrack ist aber ähnlich essentiell.

Man kann es gar nicht oft genug erwähnen, aber: Entgegen des weitverbreiteten Irrglaubens haben die Gallagher-Brüder im Verbund kein einziges schwaches Album aufgenommen. Trotzdem lichtet Knebworth 1996 natürlich dennoch den Peak-Oasis-Zustand ab: Vor einer Viertelmillion Menschen spielt die Band an zwei Abenden (nach einem dem Vernehmen nach fantastischen Support-Act) alle Evergreens ihrer ersten beiden Klassiker-Alben. Dazu kommen mit dem bläserverstärkten, herrlich ausgelassenen Round Are We (samt Up in the Sky-Teaser) sowie einem unsterblichen, wie einige Nummern der beiden nahezu identen Megalomanie-Programme streicherunterstützten Whatever (samt Mundharmonika und favorisierten All The Young Dudes-Ausklang) zwei starke B-Seiten, die beiden abfallenden, nichtsdestotrotz mindestens okayen Be Here Now-Ausblicke It’s Gettin‘ Better (Man!!) und My Big Mouth, sowie drei Nummern von The Masterplan – der Titelsong der Compilation, Acquiesce und natürlich das orchestral aufgehende Beatles-Cover I Am The Walrus.

Bis dahin kann es sich eine solche (hierfür aus beiden Quellen zusammengewürfelte) Setliste freilich leisten keinen übergeordneten Spannungsbogen zu verfolgen, sondern von Hit zu Hit zu flanieren – und wie hungrig ist bitte drumherum ein Hello, wie kantig Columbia, wie erhebend Cast No Shadow, wie groß das John Squire-Gastspiel im etwas zu hastigen Champagne Supernova?
Die konservierte Stimmung sitzt dabei und fängt durchaus die Euphorie des Momentums ein, die Band spielt abgeklärt und routiniert – schade nur, dass die Rhythmussektion im Mix zu wenig Beachtung bekommt. Dass das Intro Swamp Song ausgespart wurde, kann man daneben ebenso registrieren wie die merkwürdige Coverwahl (weil: das ist nicht Liam im Jahr 1996 in Knewbworth), aber eigentlich nicht bemängeln. Der einzige subjektive Kritikpunkt an diesem Mitschnitt ist deswegen auch ein sehr relativer, eigentlich absolut irrationaler: Mag Knebworth auch ein (oder vielleicht sogar wie gerne proklamiert das?) essentielle Highlight in der Historie von Oasis sein, kommt die offizielle Veröffentlichung gefühlt eine Spur zu spät steht in der Gunst im direkten Livealbum-Vergleich hinter dem reichhaltigeren, objektiv jedoch weitaus weniger gelungenen Familiar to Millions, das einen seit gut zwei Dekaden treu begleitet. Eben auch, weil Oasis bekanntlich kein schlechtes Studioalbum produzierten und nach 1996 noch so viel starkes Material nachkam. (Weswegen übrigens ein Dokument der Touren mit Zak Starkey verdammt wünschenswert wäre). 

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