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Oli Knight – Beside Me

Oli Knight - Beside Me

Oli Knight macht neun Monate nach dem Ende seines alias owl. unter eigenem Namen mit Beside Me weiter, wo der Schwanengesang Great Loss aufhörte – allerdings haben sich die Rahmenbedingungen mittlerweile merklich geändert. 

Ohne einen Zäsur oder stilistischen Paradigmenwechsel zu vollziehen, setzt Knight für ein weiteres rein instrumental gehaltenes Alben wieder auf die alleinige Reduktion seiner typisch melancholisch-nostalgischen, fragmentarisch-improvisiert bleibenden – aber nicht unfertig oder ziellos – gezupfte Gitarren-Miniaturen, weswegen man sich schon bei der Lo-Fi-Eröffnung des schwelgenden Here Now unmittelbar zuhause fühlen kann.
Dennoch hat sich die Stimmung bereits hier in ein optimistischeres Spektrum verschoben, selbst wenn der Opener am Ende an latent dissonanten Nuancen vorbeischrammt, sich nahezu alle folgenden Nummern trotz eines kontemplativen Wohlklangs ebenso eine unterschwellige Abgründigkeit behalten haben: „Beside Me was recorded over the space of about a month, inspired by being very happy“ sagt Knight – und transkribiert diesen Umstand mit greifbaren Auswirkungen in sein Songwriting.

Flourish klingt etwa erstaunlich hell und Heard sogar folkig und poppig, regelrecht catchy schunkelnd, bevor Skipping Along eine bisher ungekannt perlende Lockerheit, luftige Leichtigkeit und wahrhaftig glücklich scheinende Unbeschwert destilliert: Wenn der owl.-Banner eine Art emotionaler Schutzschild war, dann ist seine Entfernung die Option für Knight, auch ein Lächeln zuzulassen.
Freilich bedeutet dies keine unreflektierte Partystimmung. Quiet Moments agiert als Introspektion ruhig und still, wohingegen Make Haste dagegen eine dringliche Aufbruchstimmung ins Sinnieren führt. Tram Stop wirkt progressiver verzahnt und bekommt auch den Raum, um zu wachsen etwa hin zum portugiesischen Flair der besten Sun Kil Moon-Tendenzen. Sinnbildlicher ist trotzdem der im beschwingten Tempo beinahe unbekümmert nach vorne blickenden Tatendrang von Start Where You Are, der so für owl. wohl nicht ohne Krampf möglich gewesen wäre.
Und natürlich mündet dieses Freischwimmen und Öffnen der positiven Gefühle an sich in keiner aufregenden, innovativen oder tatsächlich originären Platte. Aber die Musik von Knight erschließt sich hier eine neue Ebene, entdeckt neue Facetten und spricht auf universeller Ebene sowieso derart imaginativ für sich, dass es immer wieder wunderbar ist, diese Kleinode zum Soundtrack eines vom Alltag entrückten Raumes zu machen – der diesmal (oder gar: von nunmehr an?) in sanft tauendes Sonnenlicht getaucht ist.

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