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Pallbearer – Atlantis

As many of you probably know by now, Pallbearer has always been very “album-oriented” — when we are writing music, it’s often with the big picture in mind. However, we also thoroughly enjoy the opportunity to release pieces that might not necessarily fit into a larger album“ klären die Doom-Meister kurz nach Abschluss ihres weltweiten Deals mit Nuclear Blast – und legen in Form von Atlantis einen auf 1000 Vinyl-Exemplare limitierten Beitrag für die wiederbelebte Sub Pop-Singles-Serie vor.

Seit sich Heartless als eines der Jahreshighlights 2017 in die Herzen traditioneller Genrefans gehievt hat, war die Schiene abseits regulärer Studioalben ja da bevorzugte Ventil der Band aus Little Rock: Neben Run Like Hell für die Pink Floyd-Verbeugung The Wall [Redux] gab es 2018 ja vor allem das triumphale Dropout, eine klassische Pallbearer-Hymne vor dem Metal-Herrn, episch und überwältigend. Dort knüpft Atlantis nun weitestgehend an, natürlich – denn wenig überraschend hat das Quartett seinen Sound und das Songwriting nicht wirklich aus der eigenen Trademark-Hohheitszone verschoben, sondern setzt den lichteren Weg von Heartless zumindest auf der aus dem Nichts kommenden, raren Single fort.

Regelrecht Kyuss‘esk legen die Leads ein markant verzogenes Gitarrendängeln als Rüschen um ein mächtig riffendes, slick zum Stoner liebäugelndes Grundmotiv, dazu sind spacige Retrofuturismus-Synthies a la Black Mountain ganz hinten in den Texturen auszumachen. Der Refrain der schnell zum Punkt kommenden Nummer geht bedächtig ausgelegt sofort ins Ohr, doch das später einsetzende, fast Classic Rock-affin flanierende Wesen hat eine hippieske Heavyness. Brett Campell und Joseph Rowland ergänzen sich stimmlich gut, auch wenn ersterer mit seinem theatralischen Organ immer das Highlight am Mikrofon sein wird.
Irgendwann treten die beiden aber ohnedies zurück, der instrumentalen Part wächst, schichtet Tempo und Dynamik um. Pallbearer lassen die kompakte Struktur hinter sich und den Fokus ein wenig progressiver-verspielt schweifen, solieren, treiben beinahe träumerisch durch ihre Landschaften: Gerade hinten raus ist die Nummer unnachahmlich typisch erhaben, findet nach dem direkten, zugänglichen Einstieg stilistisch den Mittelweg von Heartless und einem Oldschool/Vintage-Pallbearer-Flair.

Was der sehr guten Diskografie-Ergänzung dabei dennoch fehlt, ist weniger das zusätzliche Quäntchen an überwältigender Ehrfurcht und melodischer Euphorie (auf die man sich mittlerweile trotz der subjektiv weniger grandiosen Kurskorrektur des dritten Studiolangspielers bei Pallbearer verlässt), sondern vielmehr der Kontext, der die Entwicklung der Nummer gebührend in Relation setzen würde: Trotz allem bleiben Pallbearer eben einfach eine Album-Band.
Weniger gut als im Umfeld von Heartless funktioniert deswegen auch die angehängte, aus dem vergangenen Jahr als Video bekannte Live-Version von Thorns – „a song from our previous LP that took on a different attitude after being roadworn for a couple of years“ – obwohl sich unersättliche Anhänger der als Sargträger verkleideten Doom-Lichtfiguren an den Details hier erfreuen werden.

Der Sound wirkt dezent düsterer, die klassisch-majestätische Bridge dafür klarer, das Solo eine Spur himmelstürmender, die Kontraste haben sich generell erhöht. Elementare Änderungen sind das vielleicht nicht, doch die nun angriffslustiger bratenden Riffs sitzen in dem fantastischen Song kompakt und zwingend, die Atmosphäre nimmt stimmungsvoll mit, die Performance strotzt vor nuancierter Energie. Offen bleibt deswegen, welche Variante man nun bevorzugen möchte – zumal die Produktion dazu hier eigentlich so fett und sauber ist, dass man mangels etwaiger Umgebungsgeräusche eher an eine live im Studio eingespielte Version ohne Publikum denkt.
Was sich jedoch feststellen lässt: Mag Pallbearer im Detail mittlerweile ein bisschen die pure Magie der ersten beiden Alben abhanden gekommen sein (und sich Atlantis höchstens den Vorwurf gefallen lassen müssen, kein neuer Klassiker im Repertoire zu sein), ändert das nichts daran, dass auch dezent „schwächere“ Phasen wie dieses unerwartete (und zu gut zwei Drittel sehr gute, zu einem sogar bärenstarke) Intermezzo auf Augenhöhe mit dem jüngeren Albummaterial praktisch mühelos die Unfehlbarkeit der Kombo vorführen.

 

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