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Paul Weller – Fat Pop (Volume 1)

Zum Einstieg in Fat Pop (Volume 1), dem mittlerweile sechzehnten Soloalbum von Paul Weller, gilt es, einen kurzen  Schreckmoment zu überwinden – aber gut, diesbezüglich hat ja bereits der erst elf Monate alte Vorgänger On Sunset abgehärtet.

Selbst der Opener Cosmic Fringes, der schwächste Song der Platte (weil er auf einem eindimensional pumpenden Synthpop-Beat gebaut ist, und darauf ebenso kompakt wie ein wenig formelhaft zum Rocksong ausstaffiert wird) ist trotz seiner grausamen ersten Sekunden kein Ausfall – leistet aber seinen Beitrag dazu, dass der Einstieg in Fat Pop (Volume 1) etwas unausgegoren anmutet. Zumindest halten das scheppernd im Wechselgesang mit Lia Metcalfe zur klatschenden Revue dirigierte True sowie das elegisch mit entspanntem Beat ins diffuse Gorillaz-mit-Oboe-und-Ian-Dury-Leidenschaft-Fahrwasser psychedelisierende Experiment des Titelsongs noch weniger mit der Prämisse Haus, dass Weller im Gegensatz zu den beiden direkten Vorgängerplatten auf einer dezidiert der Spontanität und eklektischen Sprunghaftigkeit frönenden Platte den aus ästhetischer Sicht konzeptuellen Überbau zurückgeschraubt hat, Homogenität ignoriert, so lange die Qualität passt, und so ein kurzweiliges Pop-Potpourri vielseitiger kleiner Einzelsongs zusammengeschraubt hat.
Dass es in Summe das fünfte tolle Album in sechs Jahren ergibt, überrascht dennoch wohl weniger, als die aktuelle Haarpracht des 63 jährigen.

Da sind nämlich einerseits wieder ein paar neue Instant-Lieblinge. Das sympathische Shades of Blue zelebriert etwa so locker, unbeschwert und catchy eine sonnige Nonchalance im Blue Eyed Soul, das spätestens bei den akzentuierten Streichern und Chören die Herzen aller Kinks-Fans aufgehen werden, das gefühlvoll zurückgenommen mit jazzigem Schlagzeug in orchestraler Träumerei schwelgende Glad Times ist ähnlich wundervoll. Der Acoustic-Gospel-Soul von Cobweb / Connections transportiert eine (gerade angesichts etwaiger Pandemie-grantelnder Ego-Generationskollegen) aufbauende, sich selbst wie andere motivierende Botschaft und das beschwingt-balladeske In Better Times nimmt grazil und beinahe ausgelassen an Fahrt auf.
Der Rest ist ein vielleicht niemals überragendes, das Können von Weller aber mit zeitloser Klasse kurzweilig und instinktiv variierendes Kaleidoskop. Die Querflöte in Testify vermengt 70s-Prog-, Bläser-Folk- und Acid-Versatzstücke mit einem skandierendem Gesang, der weit entfernt etwas von Rap-Facetten skizziert, und das so smooth-funky auftretende That Pleasure funktioniert den Ballsaal als elegante Gemeinschafts-Tanzfläche um. Failed lässt sich munterer vom flimmernden Disco-Bass zum kleinen Rocker antreiben und Moving Canvas schielt zu ZZ Top, feiert sich dann doch lieber die eigenen Standards, bevor Still Glides The Stream die Intimität und Nahbarkeit in der edlen Konzerthalle mit einem irgendwo an Bowie erinnernden Wesen zeigt. Das Gewicht der besten Weller-Arbeiten hat das dann alles kaum, aber eben eine aus dem Handgelenk geschüttelte, unperfekte Ungezwungenheit, die der Diskografie des Modfathers wieder einmal eine unerwartete Frischzellenkur – und jedweden Thesen vom längst erreichten Alterswerk enteilend – verpasst.

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