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Pig Destroyer – Pornographers of Sound: Live in NYC

Pig Destroyer - Pornographers of Sound: Live in NYC

Wer immer noch dem Irrglauben unterliegt, dass das neue Wege beschreitende Head Cage im Jahr 2018 etwas anderes als eine spitzen Bereicherung für die Diskografie von Pig Destroyer war, könnte durch das Live-Dokument Pornographers of Sound: Live in NYC zumindest ansatzweise versöhnt werden.

Immerhin kommt der nahtlose, aber hinsichtlich der jeweiligen Setlisten chronologisch durcheinandergewürfelte Zusammenschnitt zweier Abende in der St. Vitus Bar zumindest einem kompromissbereiten Händereichen gleich. Mit Concrete Beast (diesem hier muskulös vertrackten Hardcore-Schleimbatzen mit psychotisch-sludgy Elementen) und Circle River (einem Kräftemessen aus knackiger Zähflüssigkeit, mit verzweifelt wund gebrüllten Vocals) sind nur noch zwei Songs von Head Cage auf Pornographers of Sound: Live in NYC gelandet, die restlichen im Oktober 2019 gespielten Songs der Platte fallen unter den Tisch.
Dazu kommt die reißende Produktion (die in ihrer rohen Dreckigkeit schnörkellos effektiv fiesen Spaß macht, obwohl sie gerne mal noch mächtiger, plättender sein hätte können, wohl aber in Songs wie Scarlett Hourglass auch etwas mehr dynamische Bandbreite nötig gewesen wäre, damit die Gitarren hinter den Blastbeats ihren präzisen Punch bewahren) gerade den beiden einzigen neuen Songs durchaus zugute (auch, weil der sporadisch mahlend nach vorne drängelnde, monströs werden könnende Bass auf ältere Songs nur bedingt Zugriff bekommt, sie inhaltlich jedenfalls kaum essentiell weiterbringt).

Während Pornographers of Sound: Live in NYC also soundtechnisch der Inszenierung von Head Cage wohl für viele Puristen erfolgreich den schwarzen Peter zuschiebt (obwohl, bei aller Liebe: Klassiker wie Loathsome oder Thumbsucker spielen als brachiale Abrissbirne auf Speed mit einer Riffarbeit für die Genre-Ewigkeit halt schon wirklich nochmal in einer anderen Liga als das neue Material), bleibt ein anderer Zankapfel bestehen: J.R. Hayes hat stimmlich einfach schon bessere Zeiten gehabt, bellt heute nicht mehr mit der dämonisch verzerrten Präsenz, Physis und brutalen Wucht seiner Heydays.
Am besten lässt sich die Ambivalenz dieser Entwicklung in The Machete Twins nachvollziehen, wenn der Tieftöner den Songs näher an den Metal bringt und damit durchaus reizvolle neue Perspektiven aufzeigt, doch Hayes ernüchternd dünn und heiser agiert, als wäre es beinahe eine Qual, mit der absolut fantastisch, regelrecht manisch in der Aggression bretternden Band mithalten zu müssen.
Dass Pornographers of Sound: Live in NYC auch so ein atemloser Ritt (die wenigen Ansagen zwischen den Nummern geben der Band übrigens eine sympathische Seite) voller Highlights entlang einer Killer-Setlist geworden ist, spricht dann freilich für die unkaputtbare Ausnahmestellung der Grindcore-Kombo, deren Energie 47 Minuten fast schon absurd kurzweilig durchpeitschen. Einzig, dass die physisch auf 1000 Exemplare limitierte Vinyl-Version des Livealbums keinen Europa-Vertrieb bekommen hat, hinterlässt da einen wirklich fahlen Beigeschmack.

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