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Poppy – All the Things She Said

Für den Rahmen des Pride Month coverte Moriah Rose Pereira alias Poppy den t.A.T.u.-Klassiker All the Things She Said. Bis ihr Label diesen nun veröffentlichte, hat sich die Welt allerdings weitergedreht.

Zumindest scheint sich Poppy mit ihrem Geburtsnamen unterzeichnend akut erklären glauben zu müssen, weswegen sie aktuell mit der Interpretation des russischen Duos um die Ecke biegt: „This cover song was delivered to my label over two weeks ago, with the purpose of being released in time for Pride Month. Unfortunately, in the time elapsed since then, we’ve been faced with a tragedy that calls for our much needed attention. While we are still fighting for equality in the lgbtq+ community, we still have a long way to go, and there still remains an absurd amount of injustice for minorities in America. I cannot adequately express my distain for how our government, and above all, our president is reacting to what’s happening in America right now. I encourage you to educate yourself, go out and protest, donate, and raise your voice to speak out against this injustice. I’ll also be sharing a few links to donate to if you have the means to do so.

Abgesehen von den Umständen passt der unkaputtbare Pop-Hit der dereinst imagetechnisch mit Erotik und (vorgeschützter) Homosexualität „provozierenden“ Russinnen Jelena Katina und Julija Wolkowa natürlich aufgrund seiner quietschenden Eingängigkeit, dramatischen Theatralik und rockigen Kante zu Poppy.
Dennoch bringt die Assimilation der Nummer ein nur bedingt befriedigende Ergebnis: Poppys Version von All the Things She Said klingt, als läge nun ein subtiler Industrial-Filter über dem Original, der sich in Sachen Distortion zurückhält und bei den Beats verspielt tröpfelnde Nuancen probiert, grundlegend fetter aufgepumpt aber nahe am Ursprung bleibend ein paar eigene Trademarks adaptiert – dabei aber viel zu zahm und inkonsequent bleibt.
Wo für I Disagree zuletzt zuviel gerade genug war, riskiert Poppy hier nichts; besonders  nicht, eine mögliche Konsenskundschaft aus der Schnittmenge des edgy Zeitgeistklientels oder Nostalgie-empfänglichen Formatradioempfängern zu verprellen. Die stimmlichen Limitierungen hinsichtlich der Intensität tun ihr übriges. Insofern kommt Poppys Cover inszenatorisch eher wie ein wenig ambitionierter, kaum origineller, aber durchaus unterhaltsamer Remix daher, gerade losgelöst vom ursprünglichen t.A.T.u.-Image.
Man kann also von Kalkül sprechen und essentiell notwendig war diese Version nicht – aber die aufgefrischte Erinnerung daran, welch grandioser Pop-Smasher All the Things She Said ganz grundsätzlich ist, funktioniert für den Augenblick.

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