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Portal – Avow

Portal - Avow

Portal haben kurzerhand zwei Alben auf einmal veröffentlicht: Das lange herbeigesehnte Avow sollte die Band dabei problemlos als Phänomen bestätigen, lässt als Spagat zwischen alten Tugenden und neuen Perspektiven aber doch auch die Chance aus zu überwältigen.

Mittlerweile zeigt sich nicht nur Phil Anselmo als Fan der Australier, die Band um The Curator ist über das doch erstaunlich weit und klar aus der ätzenden Finsternis hervortretenden ION (2018) sowieso erstaunlich weit in der Wahrnehmung des szenefremden Feuilleton angekommen (während, um es auch an dieser Stelle ohne tiefschürfende Kenntnis der entsprechenden Verflechtungen zumindest einmal erwähnt zu haben, bewanderte Genre-Fans auf einschlägigen Plattformen immer wieder hervorheben, dass das Engagement von Gitarrist Horror Illogium bei Vomitor und vergangenen Aktivitäten zumindest kritischer beäugt werden könnte).
Portal versuchen sich nun gewissermaßen am Schulterschluss für alte und neue Fans, indem sie einerseits inhaltlich durchaus beim Vorgänger weitermachen, sich gleichzeitig aber klanglich auch nach hinten orientieren: Avow klingt ein wenig so, als wären die Avantgarde/ Dissonant/ Death Metaller (deren technische Aspekte weiterhin vom schwarzen Loch der Ästhetik und des verzehrenden Sounds geschluckt werden) in einer Parallelwelt nach Outre angekommen. Die Produktion ist wieder trüber, die ständig präsenten Gitarren sind flächiger, verschlingen entlang der typischen Portal-Trademarks und Referenzen in einem abstrakt-surrealen Schlund, der als menschenfeindlicher Hummelflug keine Heaviness präferiert, sondern das Gewicht durch eine gefühlte unablässige Drangsalierung entwickelt.

Das Ergebnis ist dennoch ein zutiefst typisches, nicht reaktionäres, aber irgendwo auch erwartbares Portal-Album geworden, dass die kompositorischen Tendenzen rund um ION mit Elementen der früheren Elementen artikuliert: Klaustrophobisch und hässlich, kryptisch und okkult beängstigend, chaotisch und manisch, dann wieder so schmerzhaft konzentriert und stets beklemmend dicht angerührt. Nicht nur, weil die einzelnen Songs oft Ausfaden – und dies auch keineswegs wie eine billige Ausflucht wirkt – zeigt sich, dass die übergeordnete Stimmung und ganzheitliche Atmosphäre wichtiger denn wahrscheinlich je zuvor ist.
Einzelne Passagen auseinanderzudividieren ist da beinahe sinnlos, doch schieben sich in der absoluten Homogenität immer wieder individuelle Elemente in die Wahrnehmung, gerade in den Intros der Nummern. Eye treibt etwa vergleichsweise kriegerisch stampfend, Offune lässt Frequenzen in wellenförmigen Loops aus Hölle schimmern und tackert über ein atonal-diffuses Noise-Meer: Die Distanzen auf dieser Platte (gerade zwischen den einzelnen Elementen der DNA) abzuschätzen ist nahezu unmöglich. Das oszillierend-abwartende Manor of Speaking verzerrt seine Stop-and-go-Natur dagegen poltern, pressend, rumpelnd – bestialisch angespannt.

Am markantesten ist jedoch gleich das überragende Catafalque mit seinen Distortion-Riffs, den hämmernd-pulsierenden Drums und fräsend-rasenden Tremolo-Schraffuren über den Blast Beats. The Curator speit heiser wie ein flüsternd brüllender Dämon, faucht böse, die Gitarren flackern wie nervöse Nervenenden, die immer weiter gespannt werden, die Zerreißpunkte scheinen jedoch immer wieder schmerzhaft aufs Neue in einen nicht fassbaren Radius verlegt zu werden – egal ob über das Steigern der Tempi oder dem Intensivieren der Spannung. Portal brüten martialisch, scheppern mit Industrial-Tendenzen, gleichzeitig monoton und repetitiv und unberechenbar. Geschwindigkeiten ändern sich, der Druck bleibt, die Saiten hieven sich auf einen postmetallischen, sphärischen, heroisch monströsen Berg, auf dessen Plateau sich ein delirantes Gewitter in Geduld übt, beinahe andächtige sakrale Texturen pflegt und den bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Gesang aus anderen Dimensionen schiebt.
Die dröhnende Abwärtsspiralen-Zeitlupe von Bode wirkt wie das sedative Gegenstück dazu, bevor sich die Nummer in einen Kontrast aus der Beharrlichkeit zwischen den immer weiter mahlenden Gitarren und einem mal komplett ausbremsenden, dann manisch antreibenden Schlagzeug streitet und irgendwann gar thrashig galoppiert, bevor Drain das Tor zur Hagbulbia-Klangcollage ansatzweise öffnet.
Würden all diese Tendenzen und Schattierungen noch radikaler und konsequenter aus dem angestammten Sound der Band aufzeigen, wäre Avow wohl ein weiterer Meilenstein der Band Spannungsfeld aus Rückspiegel und vorne liegenden Horizont geworden, so aber wirkt das sechste Studiowerk der Australier doch stets ein bisschen zu konservativ und einfach unspektakulär – eben wie ein (im besten wie auch latent wenig euphorisierenden Sinne) Fanpleaser auf hohem Nivau.

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