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Portal – Hagbulbia

Portal - Hagbulbia

Portal haben kurzerhand zwei Alben auf einmal veröffentlicht: Das unangekündigten Hagbulbia war wahlweise mit limitiertem Ouija-Bord um über hundert Münzen zu erstehen, ist aber auch in der regulären Version bitte nicht simultan zu Avow zu hören.

Wenn Avow ein relativ zuverlässiger Dienst am Fan geworden ist, ist Hagbulbia dessen experimentelleres Begleiter geworden – und damit subjektiv auch das interessantere und essentiellere der beiden Werke.
Das offiziell siebente Studioalbum der Australier verortet sich unorthodox mit der Erwartungshaltung in einer Melange aus Death Industrial und Noise, ist als Black Ambient Werk zu verstehen und wirkt entweder wie Field Recordings der Apocalypse oder wie ein Remix der Portal-Trademarks durch Merzbow oder Many Blessings: Dem Death Metal wurde die Haut von den Knochen gezogen.

Das Schlagzeug spielt dabei keine tragende Rolle mehr. Selten, wie in Stow, tauchen jedoch kalte melancholische Power Electronic-Minimal-Beats in den Katakomben unter den nun noch entrückter rauschenden Gitarren auf, das Feedback mäandert, die Vocals des Curator sind durch den Reverb hallend phasenverschoben noch roher im deliranten Sound untergehend. Hagbulbia funktioniert so dezidiert als nihilistischer Soundtrack, der in pechschwarzem Hass wäscht, ohne physische Konturen hinter einem transzendentalen Schleier arbeitet.
Wo die Band ihre Anti-Musik ohnedies immer eher als Atmosphäre-Kultisten jenseits einer verständlichen Songwritings zelebriert, kommt diese zusätzliche Auflösung der Formen und Strukturen der Erfahrung Portal aus einer neuen Perspektive zusätzlich entgehen.

Of Straw and Cloth ist beispielsweise alleine schon grandios texturiert, scheint so viele Lagen zu transportieren, von denen sich keine eruieren lassen will, bevor das Mysterium subversiv in den Suspence tickt. Grail eröffnet wie eine pure, reinigende okkulte Finsternis, als würde man im Lovecraft‘schen Weltall ertrinken, während in Weptune die Ahnung einer Melodie freilich nur Illusion ist: In diesem Strom der Hässlichkeit gibt es wenig, an dem man sich festhalten kann, doch verschlingt die Sogwirkung.
Am besten im abschließenden Hexodeus, dessen kosmische Beklemmung besonders eindringlich kreischt und brütet. Portal erzeugen über die verdiente Länge von knapp zehn Minuten einen halluzinogenen Mahlstrom, der immer distanzloser frisst – und plötzlich den abrupten Cut provoziert, als gelte es, den Boden mit schockierendem Crash in die Realität unter den Füßen wegzuziehen. Dabei wirkt Hagbulbia, als hätte man Portal hier 40 Minuten in ihrer vielleicht instinktivsten Erscheinung wahrgenommen: Eine charakteristische Bereicherung für die Diskografie, die sich auch innerhalb neuer stilistischer Grenzpunkte einen individuellen, eigenständigen Wirkungskreis erschafft.

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