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Primitive Man – Steel Casket

Ursprünglich 2018 nur in einer zweiteiligen Tranche von Tartarus Records und Crown and Throne Ltd. auf Kassette sowie digital veröffentlicht, legt das Niederländische Label den Album-Appendix Steel Casket nun auf limitiert gepresstem Vinyl noch einmal auf.

Nachdem die Heavyness-Macht Primitive Man in der ersten Aprilwoche 2017 ihre Instant-Großtat Caustic bereits eingespielt hatten, tat sich bei Dave Otero und Flatline Audio überraschend noch zusätzliche Studiozeit auf. Diese hat die Band aus Denver genutzt, um ihrem ersten Gehversuch P/M von 2013 mit Steel Casket mehr oder minder einen stilistischen Nachfolger zu servieren, der mit dem alptraumhaften Nihilismus-Doom der regulären Veröffentlichungen höchstens ästhetisch die DNA teilt.
Anstelle tonnenschwer-garstiger Riffs, unbarmherzig schleppender Rhythmen und bestialischem Martyrium-Gebrüll besteht die 47 minütige Trance mit (dem harscheren) Fear und (dem wunderbar abgründig-halluzinogen-disharmonischen Traum) A Life of Turmoil nämlich aus zweimal zwei Longtracks, die aus purem Ambient-Noise, losen Samples und klaustrophobischen Drone-Albträumen gewachsen sind. Die Folter setzt also subversiver an.

Über viel beklemmenden Hall ziehen Primitive Man den rostigen Saiten irgendwo zwischen Silent Hill (in Fear) und Twin Peaks (in A Life of Turmoil) das Feedback von den Sehnen und lassen abgedämpfte Töne im Reverb surren, züchten abstrakte Installationen über strukturlosen Klangräumen, die phasenweise wie morbide Bienenstöcke anmuten, dann wieder in brütenden Rauschen untergehen oder sich psychedelisch wabernd dösend stellen, und im Grunde mehr als alles andere den Score für die eigenen inneren Psychosen darstellen.
Eine gewisse Ziellosigkeit gehört insofern auch durchaus zum Konzept, sorgt im ständigen Wandel auch für eine relative Kurzweiligkeit. Doch auch wenn es Primitive Man in dieser Ausrichtung durchaus gelingt Imaginationen zu erschaffen und über eine stimmungsvolle Atmosphäre zu fesseln, fehlt es der grandios dreckigen Soundtapete Steel Casket langfristig doch ein wenig an dem essentiellen Gewicht, den originären Ideen und nachhaltigen Motiven, um eine notwendige Faszination für mehrerer Besuche aufrecht zu erhalten oder sich von ähnlichen Genre-Platten markant abzusetzen. Primitive Man sind eben eine herausragende Doom-Band, aber nur eine sehr gute Ambient-Schmiede. Wer den Aspekt des gewünscht aktiven Wiederhörens also ausklammern kann, darf sich zumindest einen Punkt bei der Wertung hinzuaddieren.
Nichtsdestotrotz ist es (zumindest für Komplettisten und Hardcore-Fans) aber auch ungeachtet dessen schlichtweg eine sehr feine Sache, dass diese willkommene Nebenhandlung der Diskografie nun auf dem haptisch entsprechenden Trägermedium verfügbar ist.

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