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Rorcal & Earthflesh – Witch Coven

Rorcal & Earthflesh - Witch Coven

Die Genfer Eidgenossen von Rorcal und (das Alias ihres ehemaligen Bassisten Bruno Silvestre Favez) Earthflesh gehen auf der Kooperations-EP Witch Coven den Schulterschluss im Rahmen aus Blackened Doom, Sludge, Industrial und Drone ein.

Dennoch übernimmt in jedem der zwei Nummern eine andere der beiden nahtlos miteinander verschmolzenen Parteien das Zepter ein klein wenig – unweit der jeweilig angestammten Arbeitszonen, jedoch mit einer transparenten Patina des Gegenübers bezogen.
Altars of Nothingness eröffnet als sakraler, mehrstimmiger Chant mit ritueller Ausrichtung. Das hat etwas verdächtiges hinter seiner Anmut, platzt dann aber natürlich der Erwartungshaltung folgend auch wirklich auf – in den vor brutzelnder Distortion angekokelten Drone Metal, aus dem Feedback fauchend. Die Synergie hämmert und poltert und würgt die Gitarren zum atmosphärischen Sludge, zieht mystische, weite Soundschleifen über das garstige Riffing Richtung Primitive Man, nihilistisch und in dystopischer Majestät. Wenn das Ergebnis dann stakkatohaft über den Noise baller und seinen nihilistisch ausblutenden Korpus mit Prügeln schleppt, erinnert das in seiner zwischen Heaviness und elektronisch gespeister Harsh Noise-Zuneigung an Kooperationen wie jene von Thou und The Body oder Boris und Merzbow. Später schließt sich der Rahmen, auch über Gast Michael Schindl, es übernimmt wieder ein Chor, doch der vorangegangene Leidensweg hat Spuren hinterlassen, Störgeräusche geißeln das Geschehen.

Im gefühlt stärker von Rorcal dominierten Stück Happiness sucks – so do you fauchen die Schweizer episch lauernd und massiv, die Ästhetik referenziert wieder einmal dezidiert Celeste – wenngleich auf Steroiden und an der Grenze zu Portal. Das poltert kriegerisch, grummelt martial mit einem malmend Bass. Die Schreie gehen heiser in eine verfluchte Zwischenwelt, in der besessener Post Metal eskalierende Spitzen zeigt, die repetitive Misanthropie mit peitschender Geschwindigkeit aus dem Tal des Drone holt, wie hirnwütiger Deathdoom, dessen noisiger Sound seine Aggressionen zur Katharsis kasteit.
Vorwerfen lassen sich die beiden Nummern von Witch Coven eigentlich kaum etwas: sie halten das hohe, wenngleich aktuell nicht mehr in Zenit-Regionen bestechende Niveau der beiden Kombos und schattieren bekannte Zutaten durch die Zusammenarbeit doch in neuen Konturen. Die Spannungsbögen sind schlüssig und gut gedacht, doch in der Umsetzung auch ein wenig zu fahrig.
Dass die zwei Songs ein klein wenig zu sehr mäandern, ihre weiten Strecken nicht immer effizient abschöpfen, sondern auch ein paar leere Meter nur der Ästhetik wegen gehen, ohne die genialen, essentiellen Szenen zu provozieren – da kann man angesichts der emotionalen Dichte der Kompositionen und der passgenauen Homogenität der Kooperation allerdings schon ein Auge zudrücken und in den Bewertung zwischen den Punkten nach oben tendieren lassen.

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