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Rosetta – Terra Sola

Nach dem spacigen Ambient von Sower of Wind konzentrieren sich Rosetta für das nächste Kurzformat Terra Sola wieder deutlicher auf ihre Kernkompetenzen, lassen den brutalen Post Metal über drei freigeistig wandernde Kompositionen aber als Anknüpfungspunkt zum jüngsten Studioalbum Utopioid auch friedlich in umgrenzende Genres weiterwandern.

Die autonom agierende Band lässt dazu via Bandcamp über das „pay-what-you-wish„-Release“ Terra Sola wissen: „Breathing more freely outside the structure of an album, the title track layers a multitude of moods, its cinematic sweep hearkening back to Rosetta deep cuts like „TMA-3“ and „So Warm a Solitude„. At the same time, it explores new textures and new conceptual ground, connecting the human themes of Utopioid with questions about the future of the planet and our people on it. Terra Sola also features two brand-new ‚chamber‘ tracks, connected in concept but showcasing the quieter and more intimate sonic incarnation of Rosetta. „57844“ mines the harmonic structures of Utopioid ’s „54543“ for new sounds and meanings, while the instrumental „Where Is Hope?“ merges gentle acoustic guitar and lo-fi electronica, rare sounds in the Rosetta catalog.“

Der eröffnende, knapp zwölfminütige Titelsong steigert sich aus seinem verträumt-weichen Beginn also nach und nach in den Post Metal, wird härter, lässt die Muskeln spielen, tauscht die perlenden Gitarren gegen Riffwände und den säuselnden Gesang gegen Gebrüll. Zwar atmet die Nummer kurz mit weiten Flächen und kompakt-frickelnden Drums durch, legt sich dann aber alsbald wieder mit einem optimistischen Verzweiflung in die Intensität, addiert hymnisch-harmonische Backgroundgesänge, bevor Rosetta kontemplativ in sich gehen, nachdenklich und sphärisch in Schönheit verglimmern: der starke Schwerpunkt dieser EP.
57844 lässt die Gitarren danach mathlastig frickelnd ohne Hektik schwubeln, lädt ein sanftes Piano zur Begleitung ein, schwelgt mit ätherischen Vocals zwischen Shoegaze, Dreampop und sanft sinnierender Anmut. Terra Solva gebiert hier ein bezaubernd ruhiges Kleinod, als hätten sich die Konturen zu einer Linkin Park-Ballade im Postrock von Explosions in the Sky und frühen 65daysofstatic melancholisch und melodisch verwaschen aufgelöst.

Where Is Hope? trägt seinen Titel aus dieser Ausgangposition heraus nicht zu Unrecht,  wenn ein versöhnliches Akustikgitarren-Geplänkel stimmungsvoll nach – eben – einer leisen Hoffnung sucht, sich von der Distortion eingeweichte Elektronik-Drums im Hintergrund anschließen und man sich in einer unwirkliche Erinnerung an Daughter und Music from Before the Storm wähnt. Zwar entwickelt sich die Score-affine Nummer kompositorisch nirgendwohin, doch fühlt sich in ihrer elegischen Klangwelt betörend wohl.
Vor allem beschließt Where Is Hope? mit offenen Strukturen aber auch den feinen übergeordneten  Spannungsbogen von Terra Sola, wohltemperiert und unangestrengt fließend. Man verliert sich gerne in den Fluss dieser runden EP, auch wenn die drei so variabel veranlagten, wie homogen miteinander zusammengeführten Stücke genau genommen nur bedingt essentiell sind, das Schaffen der Band eher souverän mit Klasse auffüllen. Terra Sola funktioniert deswegen innerhalb seines Rahmens sehr gut und ist auch auf die Geschichte von Rosetta bezogen eine absolut gelungene Fußnote. Aufgerechnet auf das Genre an sich wirken die knapp 23 Minuten aber abseits der Ästhetik nicht restlos zwingend im Langzeitgedächtnis nach.

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