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Ryley Walker – Course In Fable

Ryley Walker - Course In Fable

Ryley Walker zelebriert auf Course in Fable ein neues Selbstbewusstsein – vor allem als Sänger, aber auch als Leithammel einer progressiv eingestellten 70s-Folk-Gang jenseits der offenkundigen Einflüsse.

Unter der Ägide von Produzent John McEntire (Tortoise) tummeln sich auf dem fünften Solo-Album des unter anderem Bill MacKay, Nancy Ives, Douglas Jenkins, Ryan Jewell oder Andrew Scott Young – also eine generell vom Sound aus Chicago geprägte Ansammlung an Virtuosen. Mit ihnen setzt Walker seine Vision von einer Progplatte voller Folksongs, die einer geradezu mathrockigen Indie-Verjazztheit folgen, mit derartiger Selbstverständlichkeit um, die das Epigonentum des wunderbaren Maßstab-Eklektizismus Primrose Green nicht ablegt, aber mehr denn je mit einer Eigenwilligkeit übersetzt, die zumindest immer wieder unorthodoxe Assoziationen wie Built to Spill oder Lite referenziert.
Oder wie Walker selbst sagt: „Das neue Album entspricht viel mehr meiner Persönlichkeit. Ich empfinde es als genuiner und tiefer als meine bisherigen Platten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein Album machen wollte, das wie Peter Gabriel auf dem Label Thrill Jockey klingen sollte.

Die Zeit seit Deafman Glance, die Walker für zahlreiche Experimente und Kooperationen genutzt hat, mündet nun insofern in einer gewissen Aufbruchstimmung, die paradoxerweise erstmals ganz bei bei sich angekommen scheint und auf duale Ambivalenzen als Spannungsmacher setzt: Bestechende Komplexität tarnt sich als angenehme Nonchalance, die wunderschöne Anmut zugänglicher Melodien setzt auf unkonventionellen Arrangements, die alle Elemente beschwichtigend in keinen Einklang zwingt, keine klare Linie bringen will.
Das Songwriting strahlt so ausgelegt absolut vital, gleich in Striking Down Your Big Premiere mit seiner hibbelig, freistehenden Gitarre und dem knubbeligen Bass, einer charismatischen Eile und Hektik, die nichts stressiges hat, eher wie eine sympathische Screwball-Montage aus den 60s wirkt, bevor sich die Gang entspannt. Dabei lässt sich der tolle, so organische Sound der Produktion genießen, wenn Walker und Co. Math-Tendenzen relaxt aufkochen, selbst die Intonation immer wieder kurz mal zupackt, nicht nur träumt.

In Rang Dizzy zeigen die Streicher eine bittersüße Nostalgie, verspielt und naiv und doch so abgeklärt, gewissermaßen eine neugierige Routine zelebrierend. A Lenticular Slap poltert mit so vielen Wendungen als unberechenbarer Leviathan, lange und ausführlich, niedlich weich und ruppig, als behutsamer Rock, und Clad With Bunk beginnt Richtung New Yorker türment, drosselt dann aber das Tempo zur wiegenden Anmut samt astralen Streichern countryesker, bevor Pond Scum Ocean krautig galoppierend zu Radiohead schlapft.
Nur die eingängigen Axis Bent und Shiva With Dustpan bleiben in dieser Kurzweiligkeit mit vielen Ebenen doch ein wenig zu flüchtig einnehmend und unverbindlich, wo der nachhaltige Reiz von Course in Fable unerklärlicherweise ohnedies nicht ganz so gravierend ist, wie auf Primrose Green. Das ist dann aber eigentlich schon Haarspalterei.

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