Website-Icon HeavyPop.at

Scott Stapp – The Space Between the Shadows

Scott Stapp hat es offenbar aufgegeben, als Geheimagent den (Ex-)Präsidenten auf seinen Fahrrad zu verfolgen und besinnt sich für sein drittes Soloalbum The Space Between the Shadows auf seine eigentlichen Stärken: austauschbaren Pathos-Rock, knietief im Grunge verwurzelt.

Dass der ehemalige Creed-Sänger seinen archetypischen MO noch einmal derart solide anwerfen können würde (bzw. von professionellen Komponisten wie Blair Daly oder Marti Frederiksen anwerfen lassen würde, die ansonsten unter anderem Daughtry oder Carrie Underwood Songs auf den Leib schneidern), damit war weder nach den beiden schwachen Vorgängern The Great Divide sowie dem Flop Proof of Life, und schon gar nicht nach einigen turbulenten Jahren der besorgniserregenden psychischen Zusammenbrüche des Scott Stapp, zu rechnen.
Mittlerweile bei Napalm Records untergekommen scheint sich der 45 Jährige Amerikaner allerdings gefangen zu haben. Zumindest verleiht seine angestammte stilistische Komfortzone Stapp ein gutes Maß an Sicherheit, das er mit Netz und doppeltem Boden in The Space Between the Shadows routiniert und über selbstreflektierende, therapeutische Themen (wie Suchtrückfälle, Depressionen, bipolare Störungen und natürlich auch den dadurch gewachsenen Glauben) verarbeitet.

Ästhetisch hat sich für Stapp derweil (bis auf wenige Ausnahmen) nichts geändert, soviel wird – ungeachtet des Inhaltes – schon in Opener-Brett World I Used to Know unmissverständlich klar gemacht. Der Einstieg ist ein betont fett produzierter, bombastisch predigender, brachial und kernig riffender Stadionrock, der massiv brädt und assoziativ sogar bei Heart-Shaped Box klaut, daran aber so epische Luft und theatralische Melodien hängt, dass Creed-Jünger und Alter Bridge-Anhänger sofort an Bord sein sollten.
Trotz (oder gerade wegen) der Baukasten-Struktur und generischer Genre-Zutaten leitet das eine verdammt effektive Angelegenheit ein. Noch größer gibt sich dann der Hit Name, der im Pathos aufblüht und schwört, die Sünden des Vaters nicht an die eigenen Kinder weiterzugeben. Näher ran an die catchy Hymne kommt Stapp auf The Space Between the Shadows übrigens (leider) nicht mehr, hat dafür aber eine Handvoll effektiv am Reißbrett entwickelter Nummern an Bord, die wie im 0815-Standard Face of the Sun spätestens in den jeweiligen Refrains zu dramatischen Ohrwürmern dirigiert werden.

Leider steht sich die zweckdienliche Funktionsmusik auch gelegentlich selbst im Weg. Etwa über die sterile Produktion, die in ihrer Sucht nach dem kraftvollen Punch alleine die synthetisch modifizierten Drums über das Ziel hinausschießen lässt, die Muskeln allgemein zu glatt spielen lässt. Wofür beispielsweise das an sich tolle Purpose For Pain derart gallige Synthies und elektronische Verzierungen benötigt, bleibt ein Rätsel, während Survivor am anderen Ende des Spektrums nicht über die billige Arena-Animation hinauskommt, weil die Gitarrenarbeit alleine zwar schon Ende der 90er altbacken gewesen wären, die Studio-Effekte aber das eigentliche Übel darstellen.
Auch suboptimal, dass Songs wie das auf mehr Atmosphäre und beschwörend-flehende Geste setzende Red Clouds ihre Hooks so penetrant oft wiederholen, dass es sich wie galliges Erbrochenes staut, während die Powerballade Heaven in Me ihren Kitsch durchaus triumphal auf den Altar hebt, sich hinten raus aber unglaublich ärgerlich zieht.
Oder, wenn die beiden stilistischen Ausreißen und relativen Experimente der Platte Gone to Soon (kontemplativer Memorial-Pop für Cornell und Bennington, nachdenklich gemeint, aber zu beliebig, um die emotionale Tragfähigkeit in Gewicht umzumünden) sowie Wake Up Call (eine sparsame Elektronikknödelei, die so lange wie ein gelungenes One More Light-Möchtegern-Überbleibsel klingt, bis geschmacklose Kinderchöre auftauchen) das Niveau der eben typischeren Standards (die gerade in der überzeugenden Anfangsphase trotz kleinerer Schönheitsfehler schlichtweg so zielführend ihren Job erledigen) nicht halten können.
Dass das am Klavier beginnende und über den Orchestergraben wandernde Finale Ready to Love sich in einer einer tranig überhöhten Belanglosigkeit verliert, die irgendwann endgültig auf Durchzug schalten lässt, verkauft die abgerufenen Qualitäten von Stapp geradezu frustrierend unter Wert. Dennoch: Für an sich austauschbaren US Radiorock und entsprechende Genre-Ohrwürmer empfiehlt sich Stapp hiermit wieder über allen Erwartungen.

Die mobile Version verlassen