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Sect – Blood of the Beasts

Die designierte Allstar-Kombo Sect veranstaltet aus dem Hinterhalt kommend mit Blood of the Beasts zum dritten Mal eine dreckige Treibjagd im rücksichtslosen Unterholz aus noisezerfressenem Metalcore und tieffinsterem Hardcore Punk.

Der ehemalige Cursed-Stimmbandsprengsatz Chris Colohan nennt Blood of the Beasts10 reflections on the myth of progress, the new old tribalism, the single face of all subjugations, the broken promise of automation, love, loss and obsolescence, set against the dying light of a better tomorrow.
Damit umschreibt er blumig die zu keiner ästhetischen Beschönigung bereite Tatsache, dass er und James Chang (Ex-Catharsis), Scott Crouse (Earth Crisis), Ian Edwards (ebenfalls Earth Crisis) sowie Andy Hurley (Fall Out Boy, Racetraitor, The Damned Things) ihre apokalyptischen Hassattacken weiterhin so infernal, leidenschaftlich und nihilistisch, so unabdingbar aggressiv und gewaltbereit durch ein sozialkritisches Mienenfeld aus politischen und tierrechtlichen Agenden schleifen.
Länger als 18 Minuten benötigen sie dabei nicht für eine eindeutige Positionierung – und den über ihr selbstbetiteltes Debüt (2016) sowie das dezitierter am Sound von Nails angelehnte No Cure for Death (2017) etablierten Status Quo mit einer unheimlich befriedigenden Konsistenz ausbaut.

Produzent (und Gastgitarrist) Kurt Ballou behält den Klang der Band dafür bei, stellt die Vocals aber deutlicher als bisher heraus – und verankert Sect dadurch (bzw. die stimmlich eben so markante Prägnanz von Colohan) noch näher bei Cursed. Blood of the Beasts wird gefühltermaßen endgültig zum adäquaten Methadonprogramm für die unersetzliche Szene-Macht.
Dass Sect dabei nicht derart originär zu Werke gehen (selbst ihr Erstlingswerk hatte einen per se eigenständigeren Sound) und ihren Stil phasenweise weiterhin so punktgenau geprägt auslegen, dass keine tatsächlich aus dem Gesamtwerk herausragenden Einzelsongs entstehen wollen, ist verkraftbar. Die Dynamik des des Spielflußes von Blood of the Beasts ist hungrig und variabel, bleibt ständig unter tollwütiger Spannung und brettert auf einem grundlegend hohen Niveau mit einigen Facetten im Abgrund.

Like Animals eröffnet straight bollernd als Hetzer mit pechschwarzer Dreckfärbung und frei blastenden Geschwindigkeitsradikalen, die das Wesen der Platte vorneweg definieren. Wait drosselt das Tempo mit doomigen Riffwalze in die Heavyness, weswegen Domestic gleich noch mehr Hochdruck hinauspresssn kann. Terminus ist ein stoischer Headbanger mit psychedelisch in Trance taumelnden Passagen, die das würgende Gebrüll eher einem annähernden Klagegesang anpassen. Überhaupt adaptieren Sect mittlerweile wie selbstverständlich externe Einflüsse, bleiben innerhalb klar gezogener Grenzen unberechenbar.
Redundant Gods knüppelt deswegen mit reißenden Zähnen und dem Weißen in den Augen, gönnt sich aber dennoch einen thrashigen Slo-Mo-Abgang. Broken & Untenable blickt zum Grindcore und The Blankest Cheque kotzt breitbeiniger riffend am melodischen Hardcore mit abwechslungsreicher shoutender Stimme. Cirrhosis of Youth zeigt insofern auch, wie gut die nur für Sekundenbruchteilen eingesetzten verzweifelte Backingvocals von Dre Black dem fast schon zu hermetischen Sound als zusätzliche Facette tun, bevor Skies Wide Shut die atmosphärischen Intensitäten methodisch aufbaut, diese in einem entsprechend erschöpfenden Finale mit dem cleanen Saitenmagier Ballou entlädt, und keinen Hehl daraus macht, dass Blood of the Beasts ganz ungeniert in (verwaisten) Fußspuren randalieren mag, dies aber nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus einer inneren Getriebenheit auf bestmögliche Art, tut.

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