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Sinkane – Dépaysé

Sinkane - Dépaysé

Ahmed Gallab alias Sinkane beschreibt mit dem Titel seines sechsten Studioalbums das Gefühl der Entwurzelung, ein Fremdsein jenseits der Heimat. Auf die 41 Minuten von Dépaysé lässt sich dieser Zustand tatsächlich jedoch leider auf weniger schmeichelhafte Weise übertragen.

Immerhin führt Dépaysé zwar vor, dass Kosmopolit Gallab längst ein Meister im Verschmelzen von Elementen des Art Pop, Funk, Dub, Afrobeath und Reggae ist. Letztendlich stellen die neun aufgefahrenen Nummern aber noch deutlicher die sich doch frustrierend summierenden Mankos des global sozialisierten Wahl-Anerikaners in die Auslage.
Es ist vor allem ein Jammer, dass Sinkane rund um die eindimensionale inhaltliche Grundkonzeption (Love, Peace, Unity, Happyness etc.) und tausendmal kopierten Schlagwörterb ein derart grotteinschwacher Texter ist, da er abgedrosche und ermüdend plakative Slogans auf Dépaysé bis zum Erbrechen wiederholt, und sich dabei auch gerne als höchstens sehr okayer Sänger demaskiert, während er als Arrangeur mit Synthies keineswegs umgehen kann – auf die dilletantisch in Szene gesetzten Tasteninstrumente neben fabelhaften Bläsern, Backingsstimmen und sonstig feierndem Brimborium aber bedauerlicherweise nicht immer verzichten mag.

Sinnbildlich ist die austauschbare Herangehensweise und Beschaffenheit der Texte aber auch insofern weiterführend, da sich Sinkane im Zweifelsfall musikalisch immer für eine möglichst bekömmliche Ausformulierung seiner Ideen entscheidet, wodurch die Ergebnisse geradezu ärgerlich domestiziert anmuten. Gerade wenn etwa Everybody („Everybody means everybody/ Everybody/ We believe that everybody means everybody/ It means you and me„) eine an sich fantastisch elektrifizierte Gitarre auspackt oder der Titelsong diese mit der Dissonanz flirten lässt, wird offensichtlich, wie viel Potential Sinkane liegen lässt – schließlich geht er stets den Weg des geringsten, verdaulichsten Widerstandes und wählt die belanglose Bekömmlichkeit.
Wo Dépaysé also aufregend, ambitioniert und frisch sein könnte, wirkt es eher wie das bemühte Vehikel eines mutlosen Gateway-Musikers, der den hippiesken Ethno-Trip an der Oberfläche plätschern lässt. Sobald Nummern wie Ya Sudan dann auch noch unangenehm zwanghaft eine optimistische Lockerheit im aufgesetzten Party-Pop forcieren, kippt die Balance doch endgültig. Weswegen am Ende die ernüchternde Ahnung steht, dass Sinkane wohl nur mit einem kreativ pushenden Reibungspunkte zur skizzierten Größe wachsen könnte – bis auf weiteres aber eine unbefriedigende Distanz zum emotionalen, herausfordernden Kern seiner entwurzelten Songs praktiziert.

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