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Skáphe – Skáphe³

Skáphe - Skáphe³

Die amerikanisch-Isländische Black Metal-Achse wächst auf Skáphe³ zum bisher deutlichsten Sturm aus avantgardistischer Dissonanz, griffiger Unmittelbarkeit atmosphärischer Horror-Patina.

Nicht erst wenn XVII – Rebirth Synthesis, ein knapp neunminütiger, sich vor Dringlichkeit selbst kasteiender Angstzustand aus krank verzahnten Riffs, Blastbeat-Infernos und psychotischen Atemzügen mit dem Hang zu einer bösen Majestät aus heroischer Dunkelheit, den Status Quo des dritten Langspielers zur vollen Entfaltung treibt, war die Geschichte von Skáphe immer schon eine des kontinuierlichen Wachstums.
Als sich 2014 Songs nicht in den Raster von Chaos Moon einfügen wollten, schuf Alex Poole kurzerhand eine neue Spielwiese, zu der zwei Jahre nach dem noch weitestgehend im Alleingang erschienen selbstbetitelten Debüt D.G. von Misþyrming als Brüllwürfel hinzustieß – und mit ihm auch die eigenwillige isländische Stimmungswelt des Black Metal über die amerikanische Prägung und französische Sehnsucht goß. 2017 übernahm mit der unbetitelte EP HV Lyngdal (der Split-Buddies und Labelkollegen Wormlust) das Ausarbeiten dieses Ambientes im Hintergrund, bevor nun auch noch Kumpel Jack Blackburn (Entheogen, Guðveiki) als Drummer – der übrigens eine absolut grandiose, technisch gefinkelte, delirant rasende und vertrackte, gleichzeitig aber genug Raum zum Sinnieren lassende Performance liefert – im Gefüge angekommen ist.

Dass das einstige Soloprojekt mittlerweile ein Kollektiv ist, schlägt sich auch mit jeder Platte mehr im Sound und Songwriting nieder, wenn auch mittlerweile auf überraschende Weise: Fokussierter als hier klangen Skáphe bisher noch nicht.
Die Kompositionen sind enger gesteckt und knackiger ausgelegt als noch auf dem Jam-offener wirkenden Teil 2, auch wenn die Texturen weiterhin wie ein dämonischer Schleier über allem liegen, beinahe eine psychedelische Wirkung in einzelnen Passagen des klaustrophobischen Spiels entfalten, ohne die sehnigen Konturen zu verwischen. Im nahtlosen Übergang und symbiotischen Wechselwesen mit kurzen, extrem imaginativen – und vom Potential her vielleicht sogar noch eindrucksvoller als die ausformulierten Songs nachwirkenden – instrumentalen Interludes (nicht nur das majestätische XII – Buried in Dark Earth wirft in seiner pastoralen Hymnik die Frage auf, wo das jenseits der 50 Sekunden hinführen hätte können) ist Skáphe³ ein Sog, der zwar zahlreiche  Szenen (etwa das epische Panorma von XIII – The Shrill Cracks and Moan, das zum progressiven Bass-Plateau ausgebremste XIV – A Spiritual Bypass mit seinem nachdenklichen Ausklang, die entmenschlichten Vocals in IX – The Lowest Abyss oder die atonale Schönheit von XVI – Glass Sarcophagus) individuell ausleuchtet, mit einer klarer und griffiger präziserten, transparenteren Produktion den durchgängigen Rausch des Gesamtwerkes jedoch stets dezitiert vor konkret herausstechende Einzelnummer stellt.

Skáphe³ gelingt so ein Spagat als komplexer, infernaler Zug aus gleichzeitig chaotisch und doch stets konzentriert pressender Verzweiflung. Das ist eine hirnwütige Zielstrebigkeit, die melodische Elemente akzentuiert aus der nihilistischen Atmosphäre aufblitzen lässt und einen harschen, beängstigend nahbaren Mahlstrom erzeugt. Die technische Manie scheint stets nur Mittel zum Zweck für eine reinigende Finsternis, die über 37 Minuten eine kurzweilige, abwechslungsreiche Dynamik zeigt und eine ambivalente Anziehungskraft entwickelt.
Ob die über Poole hinausgewachsene Erfahrung Skáphe sich im dritten Durchgang selbst übertroffen hat, spielt eigentlich dennoch keine Rolle – viel mehr fühlt sich die Platte ohnedies eher wie die Momentaufnahme einer runden Evolution an, die wohl auch in dieser Konstellation noch Luft nach oben lässt (wenn das XVII – Rebirth Synthesis eben nicht im alles verschlingenden Exzess, sondern einer beinahe versöhnlichen Zurückgenommenheit als Ruhe vor dem nächsten Kraftakt-Sturm endet), einstweilen aber den Hype um die Band ebenso bestätigt, wie es ein grandioses Jahr für Mystískaos abschließt.

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