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Squid – Live From Otterhead Studios

Squid - Live From Otterhead Studios

Live From Otterhead Studios könnte gerne auch separat veröffentlicht werden – bisher war der halbstündige Session-Auftritt nur einer auf 2000 Stück limitierten, exklusiv über den Rough Trade-Webshop bestellbaren roten Vinylversion von Bright Green Field auf CD beigepackt.

Zwar ist das offiziell längst ausverkaufte Gespann über bekannte Kanäle zu deutlich überhöhten, wenngleich auch nicht notwendigerweise komplett absurden Preisen noch zu bekommen, allerdings machen die Versandkosten von der Insel bekanntlich ja seit einiger Zeit von vornherein wenig Spaß.
Dabei ist die Menge der Indie-Anhänger, die ihre Freude am Debüt der britischen Senkrechtstarter hat, nicht nur vor der Haustüre des Windmill Brixton gewachsen, wie all die bisweilen überschwänglichen Kritiken zu Bright Green Field beweisen. Fünf der sechs Songs auf Live From Otterhead Studios kennt man übrigens von besagtem Debüt-Langspieler – hier allerdings allesamt noch einmal um das kleine Quäntchen ergiebiger dargeboten, als auf der regulären Albumversion.

Documentary Filmmaker verspricht durch einzelne Schläge auf die Toms einen kraftvolleren Klimax, taucht über die hallenden Saxofonklänge und die schrill überschlagenden, dann wieder sonor abgeklärten Vocals von Ollie Judge aber eigentlich nur umso meditativer in den Ambient.
2010 klingt in den Aufnahmeräumen von Little Lawford noch mehr als Symbiose aus frühen Foals und mittleren Radiohead, addiert einen Zusatz an retrofuturistischen Dystopie-Synthies in den Texturen vor den verrückten postpunkigen Schüben. Entlang des Kraut-variierten Finales festigt sich zudem der Eindruck, dass die Erzählungen der Band durch ihre Musik wirklich nicht plotgetrieben sind, sondern die Figuren und Szenen primär entlang stimmungstechnischer Kaleidoskope beobachtet werden wollen. In G.S.K hängen diffuse Keyboarde wie schiefe Gemälde vor den ebenso nebulösen wie präzisen Arrangements, gerade die akkurate Präzision der Rhytmussektion und die somnambule Wirkung der Tasteninstrumenten und Bläser sorgt für einen interessanten Kontrast jenseits der Arrangements.

Global Groove pocht lauernd und zappelt dann zu einem sedativen Jazz-Fiebertraum der Gang of Four, lotet seine Stimmungen wie alle Songs in den Versionen hier ergiebiger aus – gerade die ruhigen, primär auf die Bläser gelegten instrumental Passagen funktionieren herrlich fesselnd und imaginativ, weswegen vor allem die zweite, postrockigere Score-Hälfte fantastisch gerät. Auch Narrator ist Mathrock aus dem Antidotes-Lehrbuch, allerdings symptomatisch für die Qualitäten von Live From Otterhead Studios eben doch latent exzessiver, sich expressionistischer in seine Kurven legend, die halluzinogene Schlagseite manischer auskostend.
Exemplarisch für das Wesen von Squid ist allerdings auch die Distanz, die das abschließende, hier exklusiv dargebotene Robbie Basho-Cover Blue Crystal Fire demonstriert: Die Gitarren perlen verzahnt abwartend, die Bläser sinnieren nostalgisch, der Synthie grundiert düster, bis die entschleunigte Abgründigkeit gar in eine bedrohliche Downbeat-Elektronik kippt, die den Industrial in dem Club zu zerren versucht – nur zu abrupt endet und das freigelegte Potenzial nicht restlos konsequent abschöpft. Mehr noch als nach Bright Green Field festigt dieses Dutzend an Live-im-Studio-Mitschnitten aber die Gewissheit, dass man Squid wohl auf der Bühne erleben wird müssen, um die Essenz dieser Band zu erfassen.

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