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Still Corners – The Last Exit

Still Corners - The Last Exit

Still Corners verpassen The Last Exit und bleiben mit ihrem fünften Studioalbum ruhigen Gewissens auf der angenehmen Komfortzonen-Spur aus Indie/ Dreampop, Americana und geschmackvollen Folk.

Ende des vergangenen Jahrzehnts noch deutlicher aus dem Synthpop kommend gestartet sind die sphärische Keyboardflächen längst in die Position  begleitender Texturen gerückt, das an Beach House erinnernde Crying mit seinem somnambulen Beat und Orville Peck-Pfeifen blickt da nach dem wavig schimmernden Shifting Dunes beinahe am weitesten zurück aus dem gegenwärtigen Desert Noir, der phasenweise ungefähr wie die Chromatics-Perspektive auf Calexico anfühlt. Wobei: Der flotte Upbeat von White Sands, der monoton-krautig sein Motiv übersättigend hypnotisierend repetiert, kopiert praktisch nahtlos das hauseigene Black Lagoon – wenn auch noch klarer den mystischen Roy Orbison im War on Drugs-Verhaltenmuster suchend.
Zwei Dinge, die also längst klar sein sollten: Ohne eine etablierte Wohlfühlzone, in der es sich risikolos den eigenen Sound verwalten lässt, geht hier zum ersten nichts. Und zum zweiten strotzt The Last Exit dabei trotz aller Selbstreferenz vor eklektischen Assoziationen.

Der Titelsong öffnet den Pfad in die sehnsüchtig verträumte Prärie, „drifting off to nowhere“ meint eine sanfte Melancholie, verschwommen und doch klar artikuliert, nostalgisch treibend – wie im abschließenden, wirklich wundervollen Old Arcade scheinen Hope Sandoval und Mazzy Star über einem vom wahrhaftig surrealen Western vereinnahmten Geschehen zu wachen. Till We Meet Again entschleunigt die tolle (weich, warm und organische) Produktion in die neopsychedelischen Gefilde von Khruangbin, A Kiss Before Dying sucht den liebeskranken Country von Chris Isaak mit wehmütigen Reverb. Das unaufgeregt romantische Static schwelgt mit seinem Solo zeitlos durch den Äther und hofiert ein Mark Knopfler-Solo, It’s Voodoo legt seine Dire Straits-Liebe latent rockiger und knackiger aus.
Die homogene Atmosphäre und Stimmung wiegt dabei stets schwerer als das eigentliche Songwriting – Nummern wie Mystery Road nehmen zwar sofort als schmeichelnder Ohrwürmer mit an Bord, sind in ihrer Gefälligkeit allerdings abseits der Ästhetik auch unmittelbar wieder vergessen.

Da zudem jeder Song über seine jeweilige Spielzeit einzig an einem etablierten Muster ohne Veränderung festhält und dieses zwanglos verfolgt, ist das Herzstück Bad Town insofern die interessanteste Komposition, weil sie nach einem langen Intro das Tempo immer wieder wechselt und einzelne Segmente im Gedenken an die Howling Bells aneinanderreiht – wahlweise strukturell progressiv oder einfach nur unentschlossen und zerfahren.
Sicher aber ist, dass dem feinen Hintergrund-Soundtrack The Last Exit als imaginative Streicheleinheit so auch Herausragende Kleinode der Güteklasse eines The Trip fehlen und sich die 43 Minuten deswegen weniger essentiell anfühlen, als die vorangegangenen vier Studioalben von Tessa Murray und Greg Hughes.

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