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Sugar Wounds – Calico Dreams

Sugar Wounds - Calico Dreams

Ein stilistischer Fiebertraum aus Myrtle Beach: Zwei Jahre nach Mechanical Friends hat der Kopf von Tanpopo Crisis und Fucked  mit Calico Dreams wieder Zeit für Sugar Wounds gefunden.

Als ungefähre (auch, weil handfeste Infos zu dem prolongierten Nebenprojekt eher spärlich vorhanden sind) Standpunktverortung eines keineswegs zerissenen, sondern in sich geschlossenen Soundspektrums zieht diese mutmaßliche One-Man-Show ihr feistes Gekeife aus dem Screamo, die Drums tackern (programmiert?) aus dem Grindcore. Die Gitarren unternehmen als ersters prägendes Element der Texturen entweder im Gedenken an Nick Sadlers Achterbahnfahrten mit Fang Island stechend schneidende Spitzen, riffen wie von der Tarantel gestochen (aber ohne im Mittelpunkt stehen zu wollen) oder verschwimmenen in einem Shoegaze-Schleier, während die elektronisch inspirierte Produktion als zweites tragendes Element Synthies (oder einfach nur hyperventilierende Effektpedale?) nervös Richtung Horse the Band schickt, das unbändig scheinende Calico Dreams seinem Artwork entsprechend so dunkel-bunt gefärbt ist, als wäre ein Circle Pit in einer Spielhalle platziert, und Sonic auf dem Regenbogenparcourt auf Speed unterwegs.
Diese Elemente stehen jedenfalls in permanenter Symbiose und Wechselwirkung auf der von der Rhyhthmussektion ausgebreitete Hatz, die gefühlt jede weiße Fläche bespielt, dies aber so akzentuiert tut, dass Calico Dreams ebenso flächig wie schnittig wirkt, reichhaltig und doch roh, transparent und impressionistisch, intuitiv. Das Amalgam ist keine Pastiche, sondern elektrifizierender Eklektizismus, und die Substanz über 23 Minuten und 7 Songs so verdammt präzise und pointiert inszeniert.

Alleine diese Dynamik! Das Titelstück drosselt sich etwa, um seine Emo-Tendenzen kurz dominanter durchscheinen zu lassen, wechselt dann aber zwischen bollernder Phasen und galoppierender Hartnäckigkeit, die Arrangements verdrehen sich wie eine Ambient-Platte auf einem schillernden Neon-Trip. Combat Wombat überholt sich über kaum zu bremsende 80 Sekunden immer wieder selbst und scheucht gar eine Ahnung eines Alexis Marshall-Impersonators Sekundenbruchteil durch eine Szenarie, die sich hinten raus dezent verbeugt, bevor das Finale beinahe den Breakdown provoziert.
In Semi-Burnt Sugar blitzen die Effekte blitzen wie einen Space Invaders-Feuerwerk auf, und das Sugar Wounds-Zweitwerk spielt sich sich mit fokussierter Atemlosigkeit durch ein Mienenfeld, gibt gar dem Bass ausnahmsweise eine prägnantere Rolle. Mittendrinnen taucht der Song in ein sakrales Sonnenlicht, wächst dort getragen und geduldig wie die ergebende Sehnsucht eines sich postrockig treiben lassenden Blackgaze-Stückes. I QUIT revoltiert danach umso heftiger als knüppelnder Hardcore-Batzen im Cyber-Gewand, eilig und von seinen Soundschleifen wie in rauschhafter Trance befeurt. Kneading Neatly is Mari’s Nightly Norm beginnt ansatzweise bei Cycle of Cysquatch und endet im punkrockigen Drive.

Goodnight, Midnight lässt kurz die am Cover versteckte Katze maunzen und stellt dann erst eine epischere Dramatik in Aussicht, schraffiert seine Kanten aber doch erst experimentell und schickt ein grundlegend fast Math-affin groovendes Riff über die Kante. Der Closer einigt sich letztendlich auf eine versöhnlich das Chaos ausbalancierende Gangart, der Song pendelt sich immer mehr zur Ruhe kommend ein, badet in seiner Atmosphäre, lässt nachdenklich durchatmen und kostet seine Bandbreite mit variablem Hintergrundbildern und der nötigen Tiefenwirkung kommunizierend aus.
Das gibt dem knapp achtminütigen Epos zwar eine Menge Gewicht – und verhindert notfalls zudem im Alleingang, um Vorwürfen der Eindimensionalität zu entfleuchen -, doch ist dies eigentlich nur das andere Extrem einer vor Dringlichkeit und Energie absolut euphorisch durchpustenden Performance. So macht Agression schlichtweg Spaß.

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