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Tennis – Swimmer

Der erste Sommer der neuen Dekade kann kommen. Auch weil Swimmer, das fünfte Album des Duos Tennis, nicht vergessen hat, was für den Pop in der Vergangenheit gut funktioniert hat.

Das Ehepaar Patrick Riley und Alaina Moore optimiert zum zehnjährigen Jubiläum seiner Bandgründung gewissermaßen den bisherigen Entwicklungsweg, der vom Twee Pop der Anfangstage zu einem verträumten Indie Pop geführt hat: soft und warm, schlichtweg schön und romantisch, mit latenten 60s-Flair zwischen den Zeilen auch immer ein wenig nostalgisch.
Swimmer macht dabei kein Geheimnis daraus, dass Tennis vor allem seit dem Ausstieg von James Barone 2015 und die Hinwendung zu organisch programmierten Drums einen merklichen Qualitätsanstieg in ihrem Songwriting bewirken konnten, indem das verbliebene Kernduo seitdem gleichermaßen näher bei sich selbst agiert, wie es seine Einflüsse dabei trotzdem auch noch offenkundiger zur Schau stellt: Swimmer flirtet zurückhaltend aber merklich mit Elementen aus dem Repertoire von Jessica Pratt und Natalie Prass, Shura und Beach House, aber auch Angel Olsen.

Zur Mitte der Platte hin, wenn die Gitarren von Riley die ansonsten tragenden Keyboarde und Tasteninstrumente ein wenig aus dem dominierenden Zentrum und Spektrum verdrängen, darf man bei Echoes mit seinem beinahe euphorisch abtauchenden Urlaubs-Yacht-Refrain hingegen vage an ein Symbiose aus den Corrs und Real Estate denken, bevor es sich das Geschehen über den verträumt schlängelnden Titelsong im kurzen Tender as a Bomb mit seinen detailliert verzahnt-schmeichelnden Saiten sogar zu Assoziationen an Albert Hammond Jr. und vergangene Tage der Strokes tänzelt.
Selbst dort ist Swimmer genau genommen nicht spektakulär oder aufregend, geschweige denn originär, aber in seinem Eklektizismus sehr angenehm zu hören und auf den richtigen Vorlieben gebaut, spielt sein Händchen für elegante Melodien und sympathische Hooks nonchalant aus, von Beginn an.

Das eröffnende I’ll Haunt You ist eher als Intro zu verstehen, bringt einer unbeschwerten und leichten Klaviernummer einen lockeren Rhythmus bei und installiert den luftig-leichten Ton der Platte, den unangestrengten Teint. Im herausragenden Need Your Love stampft das Schlagzeug ein wenig demonstrativer körperbewusst auf, verschiebt Takt und Geschwindigkeit immer wieder smart, während How to Forgive lieblich flanierend mit bittersüßlichem Timbre ein kleines bisschen scheppern darf, wenn die allgegenwärtige 80er-Patina sich in schüchternen Keyboardflächen findet, die ein unbeschwertes Lächeln ins Gesicht zaubern kann.
Der Synthpop von Runner gönnt sich sogar Ansätze von Gitarrensolo, ist dann aber zu schwerelos, um deren Gewicht provozierend auf den Boden zu bringen. Unscheinbarkeit und Understatement sind hier durchaus wichtige Schlagworte.

Sucht man langfristig ein Manko an Swimmer, wird man es in dieser Nuance der (mit 35 Minuten und 9 Songs keine Sekunde zu lange geratenen) Platte finden. Wenn etwa Late Night eine wunderbar muntere Ästhetik pflegt, aber rein kompositorisch auch zu unverbindlich bleibt. Oder Matrimony II an sich ein toller Closer ist, weil es den auf Swimmer beschrittenen Weg zusammenfasst und mehr noch den Rahmen des Albums an sich schließt, aber auch deswegen symptomatisch ist, weil der wunderbare Refrain nicht restlos greifbar wird, nicht das letzte Quäntchen zum überwältigenden Endorphin-Schub geht.
Manchmal würden Tennis stärker gezogene Kontraste also durchaus gut tun, um das Potential ihrer Songs wirklich mitreißend und unbedingt zu unterstreichen, um von der Front der zweiten Reihe direkt an die Speerspitze des anachronistischen Pop stürmen zu können. Mit einem verführerischen Ergebnis wie Swimming kann man allerdings auch so verdammt gut leben – nicht nur, weil der Sommer mitten im Winter ja bereits vor der Tür steht, und die bisherige Entwicklung der Band zudem vielversprechend abzeichnet, dass derartige Schönheitsfehler in der Inszenierung nach dem bisher besten Werk der beiden Musiker zukünftig ohnedies noch weiter abgelegt werden dürften.

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