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The Killers – Imploding the Mirage

The Killers bestätigen den erfreulichen Aufwärtstrend von Wonderful Wonderful auf Imploding the Mirage mit einer überraschenden Konsistenz – gerade, wenn man die Hintergründe des sechsten Studioalbums bedenkt.

Die nominell imme rnoch als Quartett firmierende Truppe aus Las Vegas besteht im Grunde (auf Tour schon lange, nun eben auch auf Platte) nur noch aus Frontdiva Brandon Flowers und Drummer Ronnie Vannucci Jr. als kreative und physisch treibende Kraft hinter den Killers – Bassist Mark Stroemer schaute nun zumindest noch für ein paar Tage in dem für die Aufnahmen angemieteten Haus vorbei, während Gitarrist Dave Keuning in seiner Rolle als Familienmensch aufgehend keine Zeit mehr für das Brimborium der Stadionband hat.
Dafür finden sich auf der Gästeliste nicht nur k.d.lang und Natalie Mering, auch Adam Granduciel, Lindsay Buckingham, Blake Mills und Lucius haben Imploding the Mirage neben Stuart Price und Ariel Rechtshaid sowie vor allem den beiden Foxygen-Köpfen Shawn Everett und Jonathan Rado in deren Funktion als Produzenten und Songwriter-Helfer mitgetragen.
Und eben auch weil die versammelten 42 Minuten derart außerhalb des angestammten Gefüges und kooperativ entstanden sind, hätte man nicht damit rechnen müssen, dass Imploding the Mirage nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ das kohärenteste Album der Killers seit Jahren geworden ist.

Was einerseits bedeutet, dass die prolongierten inszenatorischen Risiken, zu denen sich Vanucci und Flowers von dem Foxygen-Duo verleitet worden sehen wollen, nicht wirklich spürbar sind – immer noch sind das die erwartbar von Springsteen, den 80ern und funkelnden Synthies geprägte Glamour-(Semi)-Hymnen, für deren große (und auch überhöhten) Gesten die Massen in die Arena pilgern werden; natürlich immer noch zu überladen und opulent, aber dennoch weniger übersättigend und im Pathos und Kitsch weitaus stimmiger ausbalanciert als etwa Battle Born. Andererseits zeigen die besten Nummern der Platte nun auch nicht mehr derart überragend auf, wie das beispielsweise ein The Man noch auf Wonderful Wonderful tat: Ohne wirklich geschmacklosen Totalausfall hält Imploding the Mirage keine unsterblichen Evergreens und Instant-Hits von der Klasse parat, mit der Hot Fuss und Sam‘s Town auftrumpften. Wo die Emotionalität der Songs also keine bedingungslose Intensität erzeugt, werfen die Killers allerdings dennoch eine in ihrer Nebensächlichkeit absolut eingängige Melange an nostalgischen Ohrwürmern ab, deren Reiz eventuell ja gerade auch durch die reibungslose Oberfläche und perfektionistische Kompetenz besteht.

Der ätherische Beginn von My Own Soul’s Warning ist insofern freilich nur die Startbahn für einen mit ordentlich Drive und flotter Motivation bimmelnden Heartland-Highway-Song, direkt von War on Drugs adaptiert, mit hymnisch ausgelegtem Stadion-Refrain und funkelnden Texturen hinter der leidenschaftlich am erfolgreichen Single-Bug stehenden Gallionsfigur Flowers – ganz ähnlich wird später auch der flott angetriebene 80er-Schlager Running Towards a Place agieren, auch wenn die direkte Referenz dann weniger den Boss bedient, als schamlos bei Billy Idol abkupfert.
Das schöne Blowback ist ein zurückgelehnter, schunkelnder Midtempo-Rock für Formatradio-Standards mit versierten Keyboardglimmern, dramatischen Pianounterboden und vergangenheitsliebenden Gitarren, dazu einem herrlich absurd-pastoralen Mystik-Chor-Finale a la Enya. Dying Breed wartet irgendwo zwischen treibender Elektronikworkout in der Lounge von Can und Neu! mit Country-Erinnerung auf Sparflamme – wenn die Handbremse gelöst wird, sollen die Sterne pragmatisch funkeln, denn manchmal zielen The Killers nur auf diese nächsten Zündstufen ab. Einem My Good kann man sich so als eine einzige geschmeidig pumpende und stampfende Hook aufgrund seiner Catchyness kaum entziehen , während die fistelnden Assoziationen dank Weyes Blood sogar die klerikale Melodramatik beschwören. Man sieht: Trotz allem wieder einiges an künftiger Best-of-Substanz vorhanden.

Am anderen Ende der Zielsetzung holt der Titelsong in seinem Wunsch nach himmelstürmender Erhebung beinahe die Schlümpfe als Chor an Bord und klingt dabei seltsam dünn und billig. Es gibt neben den ansatzlos überzeugenden Nummern eben auch Material, das im guten Durchschnitt verweilt, etwa als solide pumpende Routine mit weltumarmender Geste (Caution) oder altbackenes Asia-Geklimper, das stets ein bisschen zu fällig und hüftsteif anmutet (Lightning Fields), während Fire in Bone die Disco auf halben Weg zum Effekte-Clusterfuck mit rappendem Tendenzen aufwiegt, bevor Flowers einmal mehr mir dem Beweis um die Ecke biegt, dass er einfach verdammt gute Pop-Melodien schreiben kann, auch wenn diese Eigenschaft weiterhin oft von der eigenen Balance mit der Megalomanie überrollt.
Vielleicht nimmt When the Dreams Run Dry deswegen von Human League über Jean Michel Jarre bis hin zu Harold Faltermaier einfach alles mit, was von der Grabbelkiste der 80er in den Yacht-Modus passt, ohne dass The Killers selbst in diesem Nasenrümpfer wie auf vorangegangen Alben Gefahr laufen würden, sich in totaler Penetranz blamierend zu kentern. Was dann auch exemplarisch dafür stehen kann, dass sich die Wahrnehmung der Band seitens des kritischen Feuilletons mittlerweile generell geändert zu haben scheint – dieses Wohlwollen haben sich The Killers auch mit dem kurzweiligen Gar-nicht-nur-Guilty Pleasure-Spaß Implode the Mirage absolut verdient.

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