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The Linda Lindas – Growing Up

The Linda Lindas - Growing Up

Schon okay: Statt des erhofften Rior Grrrl-Rabatz liefern The Linda Lindas auf ihrem Debütalbum Growing Up eine angepasste Songsammlung aus reibungslosen Konsens-Punkrock und ungefährlichen Powerpop für das Formatradio.

Ein Ergebnis, das aller Unvoreingenommenheit zu Trotz, schon auch das Resultat der Tatsache zu sein sein, dass die seit gut einem Jahr vom Indie-Feuilleton bei jeder sich bietenden Gelegenheit hochgejazzten The Linda Lindas – Bela Salazar, Eloise Wong, Lucia de la Garza und Mila de la Garza, vier Mädels im Alter zwischen 11 und 17 – dann eben doch relativ deutliche Industry Plants sind: Vater Carlos de la Garza ist ein Grammy-verdienter Produzent und guter Kumpel von Bad Religion-Gitarrist Brett Gurewitz, der die popkulturell referenzierenden The Linda Lindas ja auch für Epitaph unter Vertrag genommen hat. Seine Handschrift ist nun mutmaßlich insofern immanent, weil sich die bedingungslose Professionalität, Effektivität und Kompetenz der Band in einem sauberen, keine Makel und Reibungen zulassenden Sound niederschlägt, der die Identität des Quartetts relativ austauschbar macht.

Dass sich Growing Up deswegen auch stets anfühlt, als hätte eine Horde abgeklärter Erwachsener im ergebnisorientierten (also: verkaufsmotivierten) Eifer ein Schulprojekt ihrer Kinder übernommen, spielt der Authentizität der Platte freilich nicht in die Karten, ist letztendlich aber auch ein relativ ignorierbarer Faktor – da das Songmaterial so oder so nicht über die gefällige Nebensächlichkeit hinauskommt.
Dabei gelingt vor allem der Einstieg schmissigig genug, dass die Aufmerksamkeit ungeachtet aller Begleitumstände und Hintergründe geweckt ist: Oh! eröffnet als knackiger Ohrwurm, der eine harmlose Alternative zu Sleater-Kinney darstellt und der Titelsong ist sowieso ein unkaputtbarer Instant-Hit.

Danach aber gibt es bis auf wenige Ausnahmen (das etwas bissiger und kantiger angelegte Fine; den bei Joan Jett ausborgendem Bubblegum-Hardrock Why; die tropikal-gekrampften mexikanischen Strophen im 08/15-Baukasten Cuántas veces; sowie dem sich zu bemüht am Noiserock vergebenden, als Schlusspunkt absolut nicht stimmig passenden und seine Attitüde mit nervendem Vorschlaghammer aufwiegenden Ausfall-Closer Racist, Sexist Boy – tatsächlich der einzige wirklich schlechte Song hier) ein standardisiertes Programm, das praktisch stets nach demselben Muster konzipiert wird.
Nummer wie der poppige Singalong Talking to Myself oder die unterhaltsame Egalität Nino sind wirklich absolut nett und betont optimistisch, machen Spaß und sind doch schnell wieder vergessen, weil sie mit generischer Formel gut ins Ohr und unmittelbar wieder hinausgehen. Im gefühlvollen Remember geben die Bodenwellen vor dem Refrain zumindest ein bisschen Kante und auch in Magic ist der Pre-Chorus fein – der Rest zumindest rundum ordentlich, catchy, unverfänglich. Eben gut vermarkteter Pop im kurzweiligen Punkrockgewand, der vielleicht ja im nächsten Durchgang die nötige Portion aufsässiger Teenage Angst verpasst bekommt.


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