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The Weather Station – How Is It That I Should Look At The Stars

The Weather Station - How Is It That I Should Look At The Stars

Kaum ein Jahresrückblick kam 2021 ohne das wunderbare, aber als Gesamtwerk auch ein wenig über Gebühr hochgejazzte Ignorance aus. How Is It That I Should Look At The Stars scheint nun allerdings mit weitaus weniger Wohlwollen aufgenmmmen zu werden.

Das liegt  zu Teil wohl auch an einer falschen Erwartungshaltung. Immerhin positioniert sich The Weather Station alias Tamara Lindeman für den Nachhall zum schon auch Groove-motivierten Durchbruchswerk aus dem Vorjahr merklich um, räumt auf und aus. Das Bandgefüge außen vor lassend konzentriert sich die Kanadierin alleine auf wohltemperierte Singer-Songwriter-Balladen, die auf Stimme und Klavier beschränkt auf mit sparsamen kammermusikalischen Tupfern (ein jazzig sinnierendes Saxofon oder eine nicht greifbare Lap Steel, eine die Gedanken schweifen lassende Klarinette oder eine elektrische Orgel) hier und da – wobei die wenigen sorgsam gesetzten Elemente eher sporadische Nuancen von Verzierungen darstellen, als wirkliche lose Arrangements.
How Is It That I Should Look At The Stars wirkt so gerade auf den Erstkontakt unspektakulär im Windschatten zur allgegenwärtigen Assoziation Joni Mitchell mäandernd, zu gleichförmig und eintönig. Und tatsächlich kann die sanft und behutsam agierende Lindeman im Zentrum nicht das volle Gewicht der Introspektive tragen.

Die in nur drei Tagen aufgenommene Platte wiegt ihre Atmosphäre schwerer auf, als das Herausarbeiten von individuell aufzeigenden Hooks aus, salbt sich selbst in der Nabelschau der ineinander verschwimmenden, immer angenehmen Melodien im wenig variablen Spektrum. Mehr Zeit hätte dem oft unfertig und ziellos scheinenden Songwriting vielleicht geschadet – vielleicht aber auch den immer wieder kurz zwischen den Zeilen aufschwingenden, berührenden und instinkten Zauber  einer wirklich schönen Andacht nicht konservieren können.
How Is It That I Should Look At The Stars zieht so romantisch, ruhig und nachdenklich in einen intimen Bann, nimmt nostalgisch dem Augenblick melancholisch nachtrauernd in seinen Bann und verströmt eine friedliche Aura , die meditativ und poetisch, sentimental und still an der Hand nimmt.
Selbst To Talk About, ein Duett mit Ryan Driver bietet nur überschaubare Kontraste der Farben und Stimmungen, ausgerechnet (nein, eher gerade!) das kurze Song entwickelt eine fokussierte Präsenz, nimmt an Momentum auf und findet mit markant positionierter Ausstattung auf den Punkt, bevor Sway gar einen vorsichtigen Beat andeutet und Loving You wie Seelenbalsam schmeichelt. Lindeman ist also auch schlau genug, auf ihrem sechsten, mit 33 Minuten Spielzeit gut bemessenen Studioalbum gerade hinten raus zu glänzen – was durchaus als Statement dahingehend verstanden werden kann, dass man die Feinheiten diese auf den ersten Blick wenig aufregenden Platte mit zu wenig Zeit und Zuwendung leicht übersehen kann.

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