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Tired Of Everything – Behind The Blade

Tired Of Everything - Behind The Blade

To Live A Lie Records-Boss Will Butler legt mit Tired of Everything zwei Jahre nach deren ersten EP Silenced nicht nur nach – Behind the Blade hebt die Hardcore Punks auf den nächsten Level.

Wie es das auf Overgrow to Overthrow aufgefahrene, auch hier vertretene Redacted versprochen hat, macht die Band aus Raleigh im zweiten Kurzformat-Anlauf alles noch einmal um das Quäntchen besser, weil pointiert und zwingender: Die bereits auf Silenced gezeigten Stärken – die verinnerlichte Liebe zu Szene-Tugenden und einem dringlichen Tempo in der dreckigen DIY-Attitüde auf der einen Seite, das hinterrücks entwaffnende Händchen für griffige Melodien und absolut hängen bleibende Hooks auf der anderen – wurden jeweils weiter herausgearbeitet. Was so auch einen stärkeren Kontrast im Auftreten bedeuten hätte können, tatsächlich aber ein noch homogeneres Ergebnis beschert, wenn der Sound ist auf seltsame Weise greifbarer geworden ist, hinter einem rauschenden Schleier aber trotzdem verwaschen und schwitzig bleibt.

In dieser Symbiose gedeiht das erstklassige Songwriting entlang der nihilistischen Texte, lebt aber vor allem von der charismatischen Performance von Butler, der hier in bester Jack Grisham-Manier elaboriert diktiert, attackierend beschwört und mit ausladenden Gesten schreiend skandiert. Es bleibt an sich absolut verrückt, dass Tired of Everything die einzige Spielwiese für den ansonsten gerade als Labelchef und Bassist vor dem Mikro ist, so prägend wie sein Organ die Band aus jeglicher Masse heraushebt.
Redacted bleibt in seinem Husarenritt als bedächtige Hysterie zwar der hartnäckigste Ohrwurm der Platte – weniger stark ist Behind the Blade dahinter allerdings auch kaum.
Couldn’t Relate poltert und packt ein röhrendes Riff aus um zu stampfen, taucht dann aber sofort auf die Überholspur an, reißt das Steuer von dezenten Powerviolence-Ahnung bis zum groovenden Stackser, Unglue ist ein Hochgeschwindigkeits-Singalong. Behind the Blade nimmt vor dem Finale durch ein wieder aufgegriffenes Sample kurz die Atemlosigkeit raus, taucht dadurch aber an, ohne in Gleichförmigkeit zu versinken, zeigt auch die größte Spannweite, wenn es die Dynamik galoppierend antreibt und das Momentum dann wider zähflüssiger ankurbelt. Auch wenn danach Luft nach oben bleibt: Das kann man getrost neben so manchem Genre-Klassiker abspielen!

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